Innovationen brauchen Investments – Finanzmarktinstrumente für den Mittelstand

Prof. Dr. Stefanie Heiden, Dr. Salvatore Barbaro,

Am 8. Dezember 2011 empfingen der Vizepräsident der AiF, Dr. Jürgen Stebani und die Hauptgeschäftsführerin, Prof. Dr. Stefanie Heiden in der Kölner Geschäftsstelle hochkarätige Gäste zu den inzwischen traditionellen Kamingesprächen. Auch diesmal stand ein für den innovativen Mittelstand äußerst wichtiges Thema auf der Agenda, welche neuen Finanzierungsmöglichkeiten für deren Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten denkbar und sinnvoll wären. Anlass dafür gibt die aktuelle Entwicklung auf dem Finanzmarkt: Durch schärfere  Bankenregulierung im Zug der Finanzkrisen werden die Bedingungen für den innovierenden und expansionswilligen Mittelstand zunehmend schwieriger. Auf der anderen Seite gibt es aber einen großen Privatkapitalmarkt - allein 2010 haben private Haushalte in Deutschland etwa 180 Milliarden Euro gespart - der attraktive Investitionsobjekte braucht.

Kompetent diskutieren

Wie also könnten innovationswillige mittelständische Unternehmen und Kapitalgeber zueinander finden und gegenseitig voneinander profitieren? Sind die Rahmenbedingungen in Deutschland dafür förderlich oder eher hinderlich? Welche Optionen bietet der Staat? Diese und viele andere Fragen beschäftigten die Diskussionsteilnehmer, von denen jeder einzelne schon allein durch sein Wirken Garant für eine hochkompetente und lebhafte Diskussion war:
Die Seite der Kapitalgeber vertraten: 

  • Michael Motschmann, Vorstand der MIG Verwaltungs-AG, München
  • Rainer Christine, Managing Partner Science to Market Venture Capital

Für den Mittelstand diskutierten:

  • Dr. Jürgen Stebani, CEO der PolyMaterials AG, Kaufbeuren und Vizepräsident der AiF
  • Robert Heggemann, Vorsitzender im Aufsichtsrat der HEGGEMANN AG, Büren
  • Dr. Holger Zinke, Vorstandsvorsitzender der B.R.A.I.N. AG, Zwingenberg

Über die politischen Möglichkeiten und staatliche Steuerung sprachen

  • Dr. Salvatore Barbaro, Staatssekretär im Ministerium für Finanzen Rheinland-Pfalz
  • Dr. Sven Halldorn, Leiter der Abteilung Technologiepolitik, Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi)

Bereits erfolgreich laufende Finanzierungsinstrumente für Innovationen stellten vor:

  • Dr. Sabine Johannsen, Mitglied des Vorstands der Investitions- und Förderbank Niedersachsen – Nbank
  • Volker Weber, Vorstandsvorsitzender des Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V.

Durch den Abend führte Dr. Matthias Kromayer von der MIG Verwaltungs AG, München.

Ideen entwickeln

In einer lebhaften Diskussion wurde deutlich, dass eine gut funktionierende Venture Capital-Landschaft in Deutschland fehlt. Dabei wäre sie eine geeignete Basis, die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands voranzutreiben. Viele Branchen befinden sich in einem Umbruch - wie beispielsweise die Chemie durch Ressourcenverknappung -, sie brauchen dringend neue Technologien, und diese wiederum frisches Kapital.

Da der Wohlstand und Lebensstandard im rohstoffarmen Deutschland von der Innovationskraft der Unternehmen stark abhängt, ist es eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, diese zu erhalten und weiter auszubauen. Alle sind gefordert, ob Unternehmer, Privatanleger oder der Staat, die Volkswirtschaft zu dynamisieren und das Kapital dafür zu mobilisieren. Aber auch in der gesamten Gesellschaft muss ein Umdenken stattfinden, damit Unternehmersein zum Ziel vieler junger Menschen wird.  Denn Unternehmertum hat etwas mit Charaktereigenschaften wie Wagnis und Mut, mit Verantwortungsbereitschaft und dem Willen zum Erfolg zu tun.

Darüber, dass nicht der Staat in die Rolle des Unternehmers schlüpfen soll, aber wohl für günstige Rahmenbedingungen sorgen muss, herrschte unter den Anwesenden Konsens. Darüber, welche Maßnahmen Investitionen in Innovationen attraktiver machen könnten, haben sich unterschiedliche Ideen herauskristallisiert: Dazu gehören zum Beispiel: Venture-Capital als eine eigene Asset-Klasse zu definieren, die steuerliche Bewertung von Unternehmerkapital ändern - entsprechend ausgestaltet wäre die Thesaurierungsrücklage in Unternehmen für Innovationen nutzbar - Gewinne aus Venture Capital-Investments  von Steuern befreien oder mit staatlichen Bürgschaften Investoren ermutigen.

Trotz vieler unterschiedlicher Ansätze waren sich die Gesprächspartner darüber einig, dass Innovationen ein gutes Asset darstellen – nicht nur für Anleger, sondern auch in volkswirtschaftlicher Hinsicht. Sie generieren zusätzliche Wertschöpfung, sind Deutschlands Rohstoff Nr. 1 und damit allemal eines Engagements wert.

Innovativ sein – auch bei Forschungsförderung

Da aktuell keine Diskussion über Innovationsförderung stattfindet, ohne dass die Implementierung einer steuerlichen Forschungsförderung zur Sprache kommt, ist auch an diesem Abend diskutiert worden,.Vor dem Hintergrund, dass sich der deutsche Mittelstand laut Befragung im Rahmen BMWi-eigener Veranstaltungen zu 95 Prozent gegen eine derartige Maßnahme ausgesprochen hat, muss man sich fragen, ob es tatsächlich das geeignete Instrument darstellt, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen zu befördern. Zudem entstehen weitere Zweifel,  wenn man den neuesten Innovationsindikator 2011 genauer betrachtet: Dort steht Deutschland auf Rang vier, vor Schweiz, Singapur und Schweden. Mit Finnland auf dem fünften Platz sind die Top Five allesamt Länder ohne steuerliche Forschungsförderung. „Wir brauchen also andere Lösungen, und insbesondere solche, die mittelständischen Unternehmen gerecht werden. Dort liegt viel Potenzial brach, da Forschung langen Atem und viel Ressourcen braucht, somit für kleine und mittlere Unternehmen strukturell schwer zu stemmen ist“, postulierte Heiden, „seien wir doch auch bei Förderinstrumenten innovativ.“

Bild: V.l.n.r.: Prof. Dr. Stefanie Heiden, Dr. Salvatore Barbaro,
Dr. Holger Zinke, Dr. Sven Halldorn

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Innovation durch Kooperation

20. Juli 2011

Am 20. Juli 2011 luden Präsident und Hauptgeschäftsführerin der AiF, Dr. Thomas Gräbener und Prof. Dr. Stefanie Heiden, zu einem AiF-Innovationsdialog besonderer Art ein: Dieser wurde durch das Hissen der neuen AiF-Flagge im Rahmen eines feierlichen Festakts vor dem Sitz der Kölner Hauptgeschäftsstelle eröffnet. Damit wird der grundlegende Wandel, dem sich die AiF durch Umstrukturierung, Sanierung und Neupositionierung in der Forschungslandschaft unterzieht, auch für die Öffentlichkeit sichtbar: Wir zeigen Flagge für den innovierenden Mittelstand.

Am Festakt wie am Dialog selbst, der das Thema „Innovation durch Kooperation“ hatte, nahmen herausragende Entscheidungsträger und Persönlichkeiten aus mittelständischen Unternehmen, Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Verbänden teil. Durch die besondere Atmosphäre und die außergewöhnliche Zusammensetzung der Runde gelang es Möglichkeiten, Grenzen und Konsequenzen der Innovationsförderung genauso zu diskutieren wie Perspektiven aufzuzeigen, um neue Entwicklungen anzustoßen und zukünftig gemeinsame Wege zu gehen.

Bild 1: V.l.n.r.: Dr. Thomas Gräbener; Prof. Dr. Stefanie Heiden; Dr. Jürgen Stebani

Bild 2: Immer v.l.n.r., angefangen in der ersten Reihe: Dr. Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung; Dr. Thomas Gräbener; Prof. Dr. Stefanie Heiden; Dr. Jürgen Stebani; Dr. Beate Wieland; Ute Berg; Prof. Dr. Klaus Becker; Klaus Zimmermann; Susanne Kutter; Jan Wilhelm Arntz; Andreas Mietzsch; Hermann Josef Schulte; Dr. Heinz Bettmann

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