Parlamentarischer Abend zur Textilforschung
Unter der Überschrift „Deutsche Textilforschung für Medizin, Leichtbau und Architektur“ hat das Forschungskuratorium Textil (FKT) am 7. Februar 2012 zum Parlamentarischen Abend eingeladen. 15 Mitglieder des Deutschen Bundestages (MdB) waren der Einladung in die Parlamentarische Gesellschaft in Berlin Mitte gefolgt, um sich – unter anderem – über faserbasierte Werkstoffe für die Medizin und smarte Textilien für die automobile Zukunft zu informieren. Auch Yvonne Proppert, Vizepräsidentin und kommissarische Präsidentin der AiF, und Professor Michael Stoll, Vizepräsident und kommissarischer Hauptgeschäftsführer der AiF, nahmen an der Veranstaltung der AiF-Forschungsvereinigung FKT teil, um mit Parlamentariern und Ministeriumsvertretern über aktuelle Perspektiven für den innovativen Mittelstand zu sprechen. Yvonne Proppert zeigte sich begeistert von den Impulsreferaten: „Die vorgestellten Beispiele zeigen unterschiedliche Facetten der hohen Wirksamkeit der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Industriellen Gemeinschaftsforschung und des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand und dokumentieren eindrucksvoll die Bedeutung der IGF für den erfolgreichen Strukturwandel innerhalb einer Branche, die zeitweise fast schon totgesagt war.“
Mit Organofolie zum eigenen Unternehmen
Der Kunststofftechniker Henrik Dommes stellte ein neues Leichtbaumaterial für Elektroautos, orthopädische Prothesen oder selbsttragende Dachkonstruktionen vor, dessen Entwicklung das BMWi im Rahmen der IGF gefördert hat. Die vielseitig einsetzbare Organofolie mit metallähnlichen Eigenschaften, an deren Entwicklung Dommes am Faserinstitut Bremen (FIBRE) beteiligt war, ist für ihn zur Basis eines eigenen Unternehmens geworden. CARBODOM produziert und vertreibt Platinen aus Organofolien.
Der mehrfache Innovationspreisträger Dommes will mit seiner zum Europapatent angemeldeten Innovation (www.organofolie.de) zur Marktdurchdringung von faserbasierten Massenbauteilen beitragen. Bisher scheiterte dieses Vorhaben an zu hohen Materialpreisen und der immer noch vorherrschenden Handarbeit im Verarbeitungsprozess. Mit den unter dem Dach der AiF erzielten IGF-Ergebnissen kann Dommes diese Nachteile ausschließen.
IGF eröffnet neues Geschäftsfeld
Dr. Oliver Maetschke, Vorstand der ETTLIN AG, berichtete über die Erschließung eines neuen Geschäftsfeldes auf der Basis eines IGF-Projekts, in dessen Rahmen ein lichtstreuendes Gewebe entwickelt wurde. Diese Grundlagenergebnisse hat die ETTLIN AG aufgegriffen und in einer mit ZIM-Mitteln geförderten Forschungskooperation für den Markt weiterentwickelt. Hier stand die AiF entlang der gesamten Innovationskette zur Seite. Resultat ist die patentierte Neuheit ETTLINlux. Das lichtstreuende Gewebe wird vor LEDs platziert, wodurch dreidimensionale Leuchteffekte entstehen, die eine virtuelle räumliche Tiefe erzeugen. Da das Gewebe frei formbar ist, gibt es vielfältige Anwendungsmöglichkeiten beispielsweise im Möbel-, Messe- und Bühnenbau sowie für die Innenraumgestaltung. Der neue Geschäftsbereich hat bereits zehn Mitarbeiter.
Die Firma ETTLIN Gesellschaft für Spinnerei und Weberei AG blickt auf eine 175-jährige Geschichte zurück. Dabei wandelten sich die Produkte des Unternehmens von klassischen Textilien, wie Bett- und Tischwäsche, über Uniformen, Berufsbekleidung und Jeansstoffe hin zu technischen Geweben für industrielle Schleifprozesse und komplexe Beschichtungsanwendungen. In Ettlingen produzieren heute ca. 140 Mitarbeiter 15 Millionen m² Gewebe und knapp 7.000 Tonnen Garn im Jahr.
Fotos: FKT
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