zur Startseite

Forschung für die Energiewende

Das vom Bund geförderte Projekt „FVA-Gondel“ der AiF-Forschungsvereinigung Antriebstechnik (FVA) zeigt, wie mit partnerschaftlicher Grundlagenforschung von Industrie und Wissenschaft Windenergieanlagen noch effizienter und zuverlässiger gemacht und dabei die Unternehmen der Branche im Netzwerk der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) der FVA beteiligt werden können. 

Nach rund einjähriger Aufbau- und Vorbereitungsphase wurde am 31. Mai 2016 die FVA-Gondel auf einem Systemprüfstand des Center for Wind Power Drives der RWTH Aachen in Anwesenheit von Vertretern aus Industrie, Wissenschaft und Politik eingeweiht. Per Knopfdruck starteten die Projektverantwortlichen die Inbetriebnahme der Versuchsanlage, mit der der Antriebsstrang von Multi-Megawatt-Windenergieanlagen (WEA) unter realitätsnahen Bedingungen untersucht werden kann. Die beteiligten Partner des Verbundprojektes erwarten einen erheblichen Erkenntnisgewinn, um die Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit von Windenergieanlagen und ihren Antriebskomponenten weiter zu verbessern. Das Vorhaben leistet so einen wichtigen Beitrag zur Energiewende und bietet darüber hinaus Nachwuchswissenschaftlern und vielen FVA-Mitgliedsunternehmen die Möglichkeit, mit den beteiligten Unternehmen anwendungsorientiert an einer marktgängigen Großanlage zu experimentieren.

Offenlegung der Forschungsergebnisse nutzt der Allgemeinheit

Das Forschungsvorhaben basiert auf dem Ansatz, eine WEA-Gondel moderner Bauart so zu modifizieren, dass alle technischen Details der Anlage und auch die Forschungsergebnisse umfassend offengelegt werden können. Möglich wurde dies durch eine Förderung im 6. Energieforschungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und durch das Engagement der Firma Siemens AG, die maßgebliche Komponenten für die Anlage bereitstellt.

Bessere Simulationsmodelle für zuverlässigere Windenergieanlagen

Ziel des Projektes ist es, die Zuverlässigkeit von Windenergieanlagen durch validierte Simulationsmodelle zu verbessern und so gleichzeitig die Grundlage zur Optimierung der Betriebsstrategie und zur Anwendung moderner Predictive-Maintenance-Technologien zu legen. Im Ergebnis sollen ungeplante Stillstandszeiten reduziert beziehungsweise vermieden werden, um die Gesamtbetriebskosten von Windkraftanlagen zu senken.

Mit der jetzt anlaufenden Versuchsphase beginnt die Validierung des detaillierten Simulationsmodells. Hierzu werden Messdaten aus über 300 Messstellen, davon mehr als 150 im Getriebe, aufgezeichnet und ausgewertet. Mit den gewonnenen Erkenntnissen soll in Zukunft eine noch anforderungsgerechtere Auslegung von Anlagen und Komponenten ermöglicht werden.

Neue Formen der Zusammenarbeit

Da die Anschaffungs- und Betriebskosten für einen Prüfkörper dieser Größenordnung nur von großen Konzernen getragen werden können, war die Systemuntersuchung bislang weder für die meist mittelständisch aufgestellten Komponentenlieferanten noch für die FVA in diesem Umfang realisierbar. Mit dem Verbundprojekt erhält nun das ganze IGF-Netzwerk der FVA mit über 200 Unternehmen einen direkten Zugang zur Forschung am Gesamtsystem WEA, ohne größere eigene Forschungsaufwendungen tragen zu müssen – ein großer Vorteil insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen.

Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA, erläutert: „Das Modell der Verbundforschung im IGF-Netzwerk der FVA, unterstützt von der öffentlichen Hand, eröffnet neue Möglichkeiten zur Finanzierung von außergewöhnlichen Forschungsprojekten in einer Größenordnung, die bisher so nicht umsetzbar war. Diese Art der Zusammenarbeit stärkt den Technologiestandort Deutschland: Partnerschaftliches Engagement von Wissenschaft und Industrie, über Unternehmens- und Fachgebietsgrenzen hinweg, setzt Innovationskraft frei, die den einzelnen Unternehmen und der Allgemeinheit zugutekommt.“

Foto: Bringezu © RWTH Aachen