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KMU-Hidden-Champion aus Leipzig durch konsequente Forschungsaktivitäten

v. l. n. r.: MdL Holger Mann, Dr. Carsten Riedel, Dr. Thomas Riedel, Prof. Reiner Mehnert, MdB Daniela Kolbe, Andrea Weißig, Prof. Steffen Tobisch

„Ohne Forschungsförderungen des Bundes wäre es für viele ostdeutsche Unternehmen gar nicht möglich, Forschung zu betreiben“, erklärt die sächsische Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe (SPD) am 8. August 2019 bei einem Besuch der IOT Innovative Technologie GmbH im Wissenschaftspark Leipzig. Das Unternehmen ist Weltmarktführer in der Entwicklung und Produktion von speziellen Beschichtungssystemen und hat Kunden in Australien, Indien, China, Kanada, der Türkei, weiteren europäischen Ländern und selbstverständlich in Deutschland. Der Einsatz der weltweit einmaligen IOT-Beschichtungen erscheint nahezu unendlich: Im Alltag ermöglichen sie beispielsweise erheblich emissionsverbesserte oder keimmindernde Oberflächeneigenschaften auf Möbeln, Fußböden, Autoarmaturen, Lebensmittelverpackungen, wie Joghurtbechern, oder Außenfassaden. Ein Technikum mit einem Analytik-, UV-Beschichtungs- sowie ein Plasmalabor gehören zu diesem zukunftsgestaltenden Unternehmen Sachsens.

Austausch über die Industrielle Gemeinschaftsforschung

Die langlebigen Qualitätsprodukte seien eine Kombination als Design, Ökologie und Ökonomie, beschreiben Professor Reiner Mehnert, Dr. Carsten Riedel und Dr. Thomas Riedel, Gesellschafter und Geschäftsführer der IOT GmbH, ihre Beschichtungen gegenüber ihren Gästen. Kolbe, die ihren Wahlkreis in Leipzig hat, Vorsitzende der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“ und ordentliches Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales sowie stellvertretendes Mitglied für Inneres und Heimat ist, wurde vom sächsischen Landtagsabgeordneten Holger Mann begleitet. Mann ist Vorsitzender der SPD Leipzig und Sprecher für Hochschule und Wissenschaft sowie für Digitalisierung, Technologie und EU-Förderpolitik der SPD-Fraktion im sächsischen Landtag. Zu diesem Austausch über die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) und deren Ergebnisse und Chancen, insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), hatten Professor Steffen Tobisch, Geschäftsführer des AiF-Mitglieds Institut für Holztechnologie Dresden (IHD), sowie die Geschäftsführerin Forschungspolitik der AiF Andrea Weißig eingeladen.

„In enger Kooperation mit dem Institut für Holztechnologie Dresden – im Rahmen eines Vorhabens der Industriellen Gemeinschaftsforschung – entwickelt die IOT GmbH zum Beispiel neuartige Beschichtungssysteme mit dauerhaft antistatischer Wirkung auf elastischen und Laminatfußbodenbelägen. Das Engagement des Leipziger Unternehmens ist beispielhaft für die bedarfsgerechte angewandte Forschung durch die IGF“, erklärt Tobisch. Als KMU ziehe die IOT GmbH bereits seit Unternehmensgründung vor zwei Jahrzehnten aus den Teilnahmen an Projektbegleitenden Ausschüssen der IGF-Forschung Nutzen und erhält somit auch wertvolle Impulse für die eigene Unternehmensstrategie und -entwicklung. Die Spin-off-Firma entstand aus dem Leibniz-Institut für Oberflächenmodifizierung Leipzig und profitiert von Anfang an vom einzigartigen AiF-Netzwerk. Heute erreicht das Unternehmen einen Jahresumsatz von über acht Millionen Euro und der Exportanteil liegt bei 40 Prozent. Diese Unternehmensentwicklung basiert auch auf der engen Zusammenarbeit mit Forschungsvereinigungen diverser Branchen unter dem Dach der AiF und auf Teilnahmen an Vorhaben im Zuge verschiedener Projektförderungen von Bund und Land.

Zukunftsorientierte Standort- und Strukturförderung im Osten

„Von jedem Euro, der aus dem Bundeshaushalt für die Industrielle Gemeinschaftsforschung bereitgestellt wird, fließen schon heute mehr als ein Viertel in Forschungsvorhaben, die an Forschungseinrichtungen in Ostdeutschland realisiert werden. Das Bundesland Sachsen steht dabei aktuell auf Platz Nummer Eins“, betont Weißig und ergänzt: „Nahezu 28 Millionen Euro aus dem Förderprogramm IGF des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) kamen 2018 für Industrieforschung in Sachsen und damit auch dem Mittelstand im Freistaat zugute.“

Der Bund habe als Haushaltsmittelgeber auch eine hohe Relevanz in den Ländern. Mehr finanzieller Einsatz für die IGF bedeute gleichzeitig wertvolle und zukunftsorientierte Standort- und Strukturförderung im Osten, sind sich die Politiker Kolbe und Mann einig. Mann betont aus seiner Erfahrung in neun Jahren Forschungs- und Wissenschaftspolitik, dass Sachsen extrem von den BMWi-Förderungen, zum Beispiel aus dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) und der IGF, profitiere, weil sie die Wirtschaft unterstützen. Deshalb würde er es sehr begrüßen, wenn sie ausgebaut würden. Die Bundestagabgeordnete Kolbe, die Physik studierte, verabschiedete sich mit: „Sie haben mich persönlich an der Seite – ich sehe hier, wie enorm die Förderprogramme wirken.“

Für 2019 stehen für die IGF-Mittel in Höhe von 169 Millionen Euro zur Verfügung. Eine Erhöhung der Fördermittel auf jährlich mindestens 200 Millionen Euro für die Industrielle Gemeinschaftsforschung würde dem riesigen Bedarf im Bereich der vorwettbewerblichen Forschung zugunsten des Mittelstands in Deutschland entsprechen, erläutert Professor Tobisch, dessen Forschungsvereinigung als AiF-Mitglied antragsberechtigt für die IGF ist. In diesem Zusammenhang betont der habilitierte Leipziger Unternehmer Mehnert nochmals eindringlich: „Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Andere Länder beneiden uns um diese Forschungsförderungskultur. Sie ist einmalig in der Welt.“

Foto: © AiF Presse Forschungspolitik