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Mittelstandsförderung, Innovationskompetenz, Globalisierung

Staatssekretär Matthias Machnig

Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) stellt der globalisierte Innovationswettlauf vor besondere Herausforderungen. Um gegen große Unternehmen bestehen zu können, benötigen KMU Partnerschaften mit Forschungseinrichtungen, deren Forschungs- und Entwicklungsarbeit sich konkret an ihren Bedürfnissen orientiert und Ergebnisse liefert, die im Anschluss eigenständig zu Produkten und Dienstleistungen weiterentwickelt werden können. Allerdings können KMU die Finanzierung dieser Forschung oft nicht selbst leisten. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt KMU, indem es zweckgebundene Fördermittel über Partner wie die AiF zur Verfügung stellt. Das BMWi fördert die von der AiF und ihren Forschungsvereinigungen organisierte vorwettbewerbliche Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) sowie deren internationale Variante „Collective Research Networking (CORNET)“.

In CORNET kooperieren aktuell neun Länder und Regionen auf Basis nationaler/regionaler Fördermechanismen miteinander, um grenzübergreifende Projekte der Gemeinschaftsforschung zu initiieren. Ehemals als ERA-NET im Jahr 2005 gestartet und von der Europäischen Kommission im 6. und 7. Forschungsrahmenprogramm unterstützt, agiert CORNET seit 2011 als unabhängiges Netzwerk. Im Gegensatz zu vielen anderen ehemaligen ERA-NETs hat CORNET den Sprung in die Unabhängigkeit erfolgreich geschafft. Die internationale Gemeinschaftsforschung ist zurzeit auf Wachstumskurs. Neben den sieben europäischen Kernpartnern konnte CORNET sein Netzwerk über die Grenzen Europas hinaus erweitern: Die Republik Peru und die größte kanadische Provinz Québec sind Anfang 2016 CORNET beigetreten. Eine Konstante, die diese langfristige positive Entwicklung bei CORNET ermöglicht, ist die Unterstützung durch das BMWi. Es finanziert seit 2011 die Koordinierungsaktivitäten des Netzwerks und beteiligt sich selbst aktiv an der Netzwerkerweiterung.

CORNET sprach mit BMWi-Staatssekretär Matthias Machnig über die Internationalisierung des Mittelstands und die Vorteile der nationalen Förderung grenzüberschreitender Kooperationen für die Wirtschaft. Er verantwortet im Bundeswirtschaftsministerium die Abteilungen für Industriepolitik, Außenwirtschaftspolitik, Digital- und Innovationspolitik sowie Mittelstandspolitik.

Herr Machnig, nach Auslaufen der Förderung durch die Europäische Kommission hat das BMWi den Aufwand für die CORNET-Koordinierung finanziell aufgefangen. Wie kam es zu der Entscheidung, das Netzwerk weiter zu unterstützen?

Bis zum Jahr 2030 wird sich das Welthandelsvolumen fast vervierfachen. Daher sollten noch mehr Mittelständler die Globalisierung als Chance erkennen. Aber um Wachstumsimpulse entfalten zu können, brauchen sie Unterstützung. Sie haben weniger finanzielle, personelle und zeitliche Ressourcen als große, bereits international agierende Unternehmen. Mittelstandspolitik muss also auch über die Grenzen des eigenen Landes hinaus wirken und Wachstumsanreize schaffen. In CORNET wird durch den Zugang zu praxisnahen Forschungsergebnissen die technologische Leistungsfähigkeit der mittelständischen Wirtschaft gestärkt und die technologische Entwicklung in den beteiligten Branchen gefördert. Bereits früher, als die EU-Kommission noch beteiligt war, konnten wir CORNET als effektives und effizientes Werkzeug kennenlernen und solide Partnerschaften zu den europäischen Netzwerkpartnern aufbauen. Daher war es uns ein wichtiges Anliegen, CORNET bei dem Schritt in die Unabhängigkeit weiter zu unterstützen. Unser Engagement zahlt sich aus. CORNET ist seit 2011 ein stabiles und gewachsenes Netzwerk für transnationale Forschungsprojekte, die auf KMU ausgerichtet sind. Mit seinem Erfolg erweckt es auch bei Ländern und Regionen außerhalb der Europäischen Union reges Interesse.

Gemeinsam mit dem BMWi hat das CORNET-Koordinationsbüro in 2015 und 2016 den Ausbau von CORNET deutlich vorangetrieben. Besonders bei einer Erweiterung über die Grenzen der Europäischen Union hinaus wachsen die kulturellen Besonderheiten der Zusammenarbeit und verschiedene Zeitzonen erfordern genauere Vorausplanung. Worin sehen Sie die größten Herausforderungen bei der Arbeit in internationalen Projekten?

Wir verfügen heute mit den vielfältigen Möglichkeiten digitaler Kommunikation über zahlreiche Wege, um räumliche und zeitliche Hindernisse zu überwinden. Kulturelle Besonderheiten können die Projektkommunikation natürlich beeinflussen. Wichtig ist hier, auf den anderen einzugehen und offen für abweichende Vorgehensweisen zu bleiben. Interkulturelle Teams sind heutzutage keine Ausnahme und können sogar beflügeln. Meiner Meinung nach überwiegen die Chancen bei einem internationalen Austausch von Know-how und Ressourcen.

Welche Vorteile sehen Sie für den Mittelstand bei einer Teilnahme in CORNET hinsichtlich der Stichworte Innovationskompetenz und Globalisierung?

In CORNET haben KMU die Möglichkeit, in einem offenen und vorwettbewerblichen Prozess von dem Wissen und den Fähigkeiten internationaler Experten zu profitieren und die Forschung im Sinne ihres eigenen Unternehmens mitgestalten zu können. Wenn wir KMU den Zugang zu internationaler Forschung ermöglichen, die auf ihre Bedürfnisse eingeht ohne sie finanziell zu belasten, fördern wir dadurch die Innovationskompetenz. Das Besondere an CORNET ist der Einsatz nationaler Budgets. Jedes teilnehmende Land oder Region muss eigenes Geld einbringen und bestimmtes Know-how für den Erfolg des Gesamtprojektes bereitstellen. Das zwingt zu einer sorgfältigen Auswahl. CORNET bietet somit ein effektives und effizientes Werkzeug, um dem deutschen Mittelstand einen Einstieg in internationales Terrain zu erleichtern und die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern.

Wie schätzen Sie aktuell den Stellenwert der Internationalisierung und die Bereitschaft für internationalen Austausch im deutschen Mittelstand ein?

Der deutsche Mittelstand ist bekanntlich das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Neben den vielen kleinen und mittleren Unternehmen, den Start-ups, Handwerksbetrieben und Selbständigen profitiert Deutschland im europäischen Vergleich besonders von seinen größeren Mittelständlern, vor allem in der Industrie. Internationale Industrieforschung ist ein Innovationstreiber.

Was raten Sie mittelständischen Unternehmen oder Forschungsvereinigungen, die sich vor den Herausforderungen eines internationalen Projektes der Gemeinschaftsforschung scheuen?

Um im internationalen Innovationswettlauf bestehen zu können, brauchen Mittelständler Forschungseinrichtungen, deren Forschungs- und Entwicklungsarbeit sich konkret an ihren Bedürfnissen orientiert. Es geht um Projekte, deren Ergebnisse schnell und effizient transferiert und umgesetzt werden können. CORNET bietet dem Mittelstand auf der einen Seite Zugang zu Innovationskompetenz, um die Weiterentwicklung der Unternehmen voranzutreiben. Zum anderen ermöglichen die Projekte, sich an internationale Zusammenarbeit ohne finanzielles Risiko heranzutasten. Unter diesen Voraussetzungen sind die Risiken gering und es lohnt sich, neue Wege zu gehen.

Hinweis: Dieses Interview ist ebenfalls in englischer Sprache auf www.cornet.online veröffentlicht.

Foto: © Michael Voigt