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Verkehr, Klimaschutz und Nachhaltigkeit heute untrennbar

Ein Bild zeigt Prof. Kurt Wagemann, Florian Oßner, MdB, Dr. Rolf Bulander, Prof. Sebastian Bauer, Prof. Claudia Langowsky, Karl Holmeier, MdB, Dietmar Goericke (v.l.n.r.)

Prof. Kurt Wagemann, Florian Oßner, MdB, Dr. Rolf Bulander, Prof. Sebastian Bauer, Prof. Claudia Langowsky, Karl Holmeier, MdB, Dietmar Goericke (v.l.n.r.)

„Wir wollen, dass Klimaschutz zum Konjunkturprogramm wird und dies mit mehr Innovationen und Anreizen ermöglichen, nicht mit Verboten. Ökonomie und Ökologie müssen im 21. Jahrhundert zusammen gedacht werden. Die Fähigkeiten und die Innovationskraft unserer Unternehmen und Forschungseinrichtungen bringen effiziente Wirtschaftskreisläufe, wirkungsvolles Energiesparen und neue Antriebstechnologien hervor“, erklärte Karl Holmeier, Mitglied des Deutschen Bundestages und Vorsitzender des Arbeitskreises Wirtschaft und Energie, Verkehr und digitale Infrastruktur, Bildung und Forschung, Tourismus der CSU-Landesgruppe.

Die Mitglieder der Landesgruppe luden am 12. Februar 2020 den Präsidenten der AiF und Unternehmer aus dem bayerischen Schrobenhausen, Professor Sebastian Bauer, und weitere Experten des AiF- Forschungsnetzwerkes Mittelstand zu einem umwelt- und verkehrspolitischen Austausch ein. Dazu gehörten Professorin Claudia Langowsky, Geschäftsführerin der Forschungsvereinigung Automobiltechnik e.V. und AiF-Vizepräsidentin, Professor Kurt Wagemann, Geschäftsführer der DECHEMA -Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e. V., Dietmar Goericke, Geschäftsführer der Forschungsvereinigung Verbrennungskraftmaschinen e.V. (FVV) im Maschinenbauverband VDMA, und Dr. Rolf Bulander, Leiter der Fokusgruppe „Wertschöpfung“ der AG 4 der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität.

Über 23.000 Unternehmensbeteiligungen an IGF-Vorhaben

Bauer verwies zunächst auf die Erfolge des jahrzehntelangen AiF-Engagements zugunsten des deutschen Mittelstandes, den Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier vor einigen Monaten nochmals als „Rückgrat der deutschen Wirtschaft“ würdigte. Mit der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF), die die AiF in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) betreut, werden kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) zu innovationsgerichteten Kooperationen mit Forschungseinrichtungen angeregt.

Der AiF-Präsident erklärte: „Inzwischen beteiligen sich jährlich über 23.000 Unternehmen direkt an den laufenden IGF-Vorhaben. Das ist ein Wachstum von fast 50 Prozent im Vergleich zu 2016. Im vergangenen Jahr sind von den rund 180 Millionen Euro IGF-Fördermitteln mehr als 21 Millionen Euro nach Bayern geflossen. Auch im Freistaat werden mit vielen Vorhaben wertvolle Impulse für industrielle Anwendungen im Klimaschutz, zur Energieeffizienz und zu neuen Technologien generiert.“
Bauer dankte den Bundestagsabgeordneten, die mit dem aktuellen Bundeshaushalt 180 Millionen Euro für die IGF sowie zusätzliche Mittel aus dem Energie- und Klimafonds für bereits laufende Projekte der AiF-Forschungsallianz Energiewende befürworteten. Viele KMU aus Deutschland sorgten international für ökologisch vorbildliche Produkte und Prozesse - auch im Bereich Verkehr und Energie. Sie seien dank der vorwettbewerblichen angewandten Forschung weltmarktfähig oder sogar -führend.

Das Jurymitglied des EXIST-Programms des BMWi und der Lehrbeauftragte verschiedener deutscher Universitäten Wagemann machte auf die vielen Widersprüche in der vergleichenden Bewertung von batteriegetriebener, brennstoffzellengetriebener E-Mobilität und der Nutzung von synthetischen, klimaneutralen Kraftstoffen für „herkömmliche“ Verbrennungsmotoren aufmerksam: „Bisher wurden nur Teile der Vorketten für die Bereitstellung der Energieträger und der Speichersysteme hinsichtlich des Klimaschutzes betrachtet. Für eine vollständige und seriöse Begutachtung müssen zusätzlich die dazugehörigen Infrastrukturen miteinbezogen werden.“

Goericke ergänzt: „Aus der FVV-CO2-Lebenszyklusanalyse von zukünftigen Pkw mit Batterie, Brennstoffzelle oder Verbrennungsmotor mit E-Fuels leitet sich ganz klar die Notwendigkeit einer technologieoffenen und besonnenen Politik ab. Die frühzeitige Festlegung auf eine der Antriebstechnologien ist mit zu großer Unsicherheit bezüglich der wirklichen CO2-Vermeidung behaftet, als dass Politik und Gesellschaft Fehlentscheidungen riskieren könnten.“

Austausch mit AiF und Forschungsvereinigungen von besonderer Bedeutung

„Die Herausforderungen der neuen Energieträger werden gleich in doppelter Hinsicht zu einem Mangel an Fachkräften führen: Zusätzlich zu den neuen Technologien der Elektromobilität und der alternativen Energieträger müssen dringend Verbrennungsmotoren weiterentwickelt werden. Hier bricht die Basis an Spezialisten weg, wenn die ‚Baby-Boomer‘ in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen“, wies Bulander auf eine weitere Zukunftsaufgabe hin.

Die Expertin für Automobiltechnik Langowsky adressierte eine klare Botschaft nicht nur an die CSU-Politiker im Bundestag: “Das Thema ‚Nachhaltigkeit in Lieferketten‘ ist nicht nur ein Umwelt- und soziales Thema, sondern auch ein wirtschaftliches und rechtliches: Neben der Politik können Auftraggeber, Investoren und Endkunden Verpflichtungen und/oder Garantien für nachhaltige Lieferketten von den Unternehmen einfordern. Können die Unternehmen diese nicht gewährleisten, drohen Beschränkung des Zugangs zu Beschaffungs- und Absatzmärkten, juristische Probleme und Kundenboykott. Daher brauchen Unternehmen Unterstützung bei der Umsetzung der Anforderungen in die betriebliche Praxis."

Vor der Politik stünden enorme Aufgaben, um die für die Zukunft richtigen Technologien in ihrer Entwicklung und Umsetzung zu unterstützen und vor allem eindeutig zu regeln, sagte der Bundestagsabgeordnete Holmeier abschließend. So sei dieser Austausch mit den Forschungsvereinigungen für ihn und seine Kollegen von der CSU-Landesgruppe von besonderer Bedeutung. (frd.)