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Otto von Guericke-Preis der AiF hat Geburtstag

25 Jahre Otto von Guericke-Preis der AiF

1997: Der damalige AiF-Präsident Hans Wohlfart überreicht die erste Otto von Guericke-Preis-Urkunde an Dr. Andreas Michanickl und Christian Boehme (v.l.)

2020: Otto von Guericke-Preisverleihung „coronakonform“: Steffen Nothelfer, Dr. Karl Stock und AiF-Präsident Professor Sebastian Bauer (v.l.)

1997: Die Briten geben Hongkong an China zurück, Überschwemmungen der Oder verursachen schwere Schäden in Tschechien, Polen und Deutschland, die Königin der Herzen, Prinzessin Diana, verunglückt tödlich und Klonschaf Dolly erblickt das Licht der Welt. Was sonst noch geschah? Der Otto von Guericke-Preis der AiF wird erstmals verliehen!

IGF-Forschungsvorhaben mit erkennbarem Erfolg

Die Initiative für die Auslobung eines AiF-Wissenschaftspreises ging vom Wissenschaftlichen Rat (WR) der AiF und seinem damaligen Vorsitzenden, Professor Karl Heinz Mommertz, aus. Er schlug vor, einen jährlichen Preis für herausragende Arbeiten der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) zu verleihen, die sowohl die Forschung als auch die Umsetzung der Ergebnisse bis zur praktischen Anwendung umfassen.

Die vorwettbewerbliche IGF ist das Herzstück der AiF-Aktivitäten seit ihrer Gründung 1954 und wird vom Bundeswirtschaftsministerium mit öffentlichen Mitteln gefördert. Vor diesem Hintergrund war auch das AiF-Präsidium der Überzeugung, dass „die Vergabe eines eigenen Forschungspreises der AiF einen wertvollen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit für die Industrielle Gemeinschaftsforschung leisten wird“.

Der mit 10.000 DM dotierte Preis wurde daraufhin am 17. Dezember 1996 erstmalig ausgeschrieben. 18 Preisvorschläge gingen in dieser ersten Runde bei der AiF ein.

Von Anfang an: Zukunftsthemen im Blick

Am 10. Juni 1997 war es dann soweit. Im Ersatzplenarsaal des Deutschen Bundestages, dem „Bonner Wasserwerk“, erhielten Dr. Andreas Michanickl und Christian Boehme vom damaligen Wilhelm-Klauditz-Institut für Holzforschung den ersten Otto von Guericke-Preis. Die beiden Wissenschaftler entwickelten im Sinne einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft ein Verfahren zur Wiedergewinnung von Spänen und Fasern aus Altmöbeln und Produktionsresten, das nicht zu einer Degradierung des Rohstoffes Holz führte, sondern eine sortenreine Wiedergewinnung ermöglichte. Die aufbereiteten Späne aus Altholz konnten bis zu 50 Prozent preiswerter am Markt angeboten werden als Späne aus Frischholz. Ein Jahr nach Abschluss des Projektes waren bereits zwei Produktionsanlagen in der Spanplattenindustrie in Betrieb, eine dritte befand sich im Bau und zwei weitere in Planung.

Alles anders, aber nicht neu

Im Corona-Jahr 2020 wurde der 24. Otto von Guericke-Preis verliehen. Das Preisgeld liegt mittlerweile bei 10.000 Euro. Und coronabedingt fand die Verleihung des Preises im vergangenen Jahr erstmals als Online-Event statt – live und in Farbe aus dem Kölner Schokoladenmuseum.

Aber auch nach einem Vierteljahrhundert stehen anwendungsorientierte Forschungsarbeiten mit erkennbarem Erfolg noch immer im Mittelpunkt des AiF-Forschungspreises. So hatte das IGF-Projekt 2020 die Jury sowohl mit einem besonders hohen Erkenntnisgewinn als auch mit der großen wirtschaftlichen Bedeutung der Ergebnisse für mittelständische Unternehmen überzeugt.

Die Preisträger, Dr. Karl Stock und Steffen Nothelfer vom Institut für Lasertechnologien in der Medizin und Messtechnik (ILM) an der Universität Ulm, haben ein neuartiges Verfahren zur Hautkrebsfrüherkennung entwickelt. Es macht die Diagnostik nicht nur präziser, sondern auch kostengünstiger und einfacher durchzuführen. Dr. Markus Safaricz, Geschäftsführer des AiF-Mitglieds Forschungsvereinigung Feinmechanik, Optik und Medizintechnik e.V.  (F.O.M.), welche das Projekt koordiniert hat, zeigte sich beeindruckt, weil das Messsystem bereits zum Projektende den Weg in die Klinik geschafft hat und die Einsatzmöglichkeiten mit nur minimalem Investitionsaufwand extrem vielfältig sind. Davon ist auch Jean-Michel Asfour, Geschäftsführer der DIOPTIC GmbH, die als Industriepartner am Projektbegleitenden Ausschuss beteiligt war, überzeugt. Er sieht in dem ausgezeichneten Projekt einen Initiator für die Entwicklung neuer und innovativer Messsysteme in weiteren Bereichen, beispielsweise in der Lebensmittelkontrolle oder der Papier- und Textilindustrie. „Gerade auch in Kombination mit künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen eröffnet es Unternehmen wie uns große Marktpozentiale“, so Asfour.

Beiträge zur Gestaltung unserer Zukunft

Die Preisträger von 1997 und 2020 zeigen, dass die anwendungsorientierte IGF damals wie heute ebenso von wissenschaftlicher wie von volkswirtschaftlicher Relevanz ist und nicht selten auch Einfluss auf das persönliche Leben hat. Oder, wie Professorin Antje Boetius, Wissenschaftliche Direktorin des Alfred Wegener Instituts – Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in einer Grußnote zur Otto von Guericke-Preisverleihung 2020 hervorhob, dass „die industrienahe Forschung und technische Innovationen wichtige Beiträge zur Gestaltung unserer Zukunft leisten“. Der Otto von Guericke-Preis der AiF macht dies schlaglichtartig einmal im Jahr sichtbar.

Die AiF wird im Jubiläumsjahr in loser Folge einige Otto von Guericke-Preisträger aus 25 Jahren vorstellen und sehen, wie es ihnen heute geht.

Alle Informationen zum Otto von Guericke-Preis finden Interessenten auf der AiF-Website unter https://www.aif.de/ueber-uns/auszeichnungen/otto-von-guericke-preis.html. (di)

 

Foto Aufmacher: © Fayethequeen / istock.de; Foto 1997: © Michael Bender, Atelier Henke, Köln