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Smarte Textilien aus Thüringen

Marcel Bäuml, Andrea Weißig, Andreas Ludwig, MdB Elisabeth Kaiser, Roman Reinhardt (v.l.)

„Die Textilforschung ist seit Jahren Spitzenreiter in der Nutzung der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie“, stellte Johannes Diebel, Leiter des Forschungskuratoriums Textil e.V. aus der Bundeshauptstadt, fest. „Dabei spielen branchenübergreifende Produktion und Nutzung von Textilen nicht nur in der Bekleidung, sondern auch in vielen innovativen Bereichen beim Bauen, in der Medizin und im Gesundheitswesen, aber auch in der Umwelttechnik eine große Rolle.“

Die 1883 gegründete Thorey Gera Textilveredelung GmbH gehört zum forschungsaffinen Mittelstand in Deutschland und stellt heute hochinnovative, ökologische, smarte und technische Textilien her, die in die ganze Welt exportiert werden. Thorey-Geschäftsführer Andreas Ludwig und sein Entwicklungs- und Laborleiter Marcel Bäuml stellten am 14. Oktober 2020 vor, wie vier aktuelle IGF-Projekte und die Forschungsergebnisse bisheriger bespielhaft für die Thüringer Traditionsbranche nachhaltig wirken. Dabei geht es um eine Verhinderung von Pflanzenbewuchs auf Außentextilen auch mit Hilfe von Meer- und Regenwasser, Verbesserung von Giftstofftest in der Textilherstellungskette oder eine wesentlich ökologischere Herstellung von atmungsaktiver Sportbekleidung.

Um ihre Produkte weltmarktfähig und -führend zu halten, ist für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Forschung unbedingt nötig. Doch oft können sie sich keine eigenen Forschungs- und Entwicklungsressourcen leisten. „Deshalb kooperieren sie unter anderem mit Forschungsvereinigungen ihrer und anderer Branchen und können ihren Bedarf über das AiF-Netzwerk adressieren und von den Ergebnissen profitieren. 2019 wurden für 3,7 Millionen Euro IGF-Vorhaben an thüringischen Forschungseinrichtungen umgesetzt“, erklärte Andrea Weißig, AiF-Geschäftsführerin Forschungspolitik.

Mittelstand reagiert flexibel in Corona-Zeiten

„Unser Know-how wird ständig nach den Anforderungen unserer Auftraggeber aus Deutschland und anderen europäischen Ländern ausgerichtet und eingesetzt. Dabei nutzen wir Kooperationen in verschiedenen Mittelstands-Netzwerken. Insbesondere die Industrielle Gemeinschaftsforschung ermöglicht uns große innovative Schritte bei der Entwicklung neuer und die Verbesserung vorhandener Produkte und Produktionsverfahren“, erklärte Thorey-Geschäftsführer Andreas Ludwig.

Auch die Thorey Gera Textilveredelung GmbH veredelte bis vor einigen Jahren unter anderem noch Vliesstoffe für medizinische Einweg-Schutzkleidung in Thüringen. Doch der Auftraggeber von Thorey verlagerte die Produktion für den nötigen Fließstoff wegen der günstigeren Kosten nach Israel. Das Thüringer Unternehmen nahm die Einweg-Schutzkleidung daraufhin aus ihrem Sortiment. „Wir sind in Bezug darauf nur ein Beispiel vieler deutscher mittelständischer Unternehmen. Die Corona-Krise macht uns sehr deutlich, dass wir umdenken, danach handeln und die ehemals vorhandenen Kapazitäten in Deutschland schnell aufleben lassen müssen“, sagte Ludwig. Er hat umgedacht und produziert nunmehr in einem Firmenverbund zusätzlich Covid-19-Schutzmasken mit CPA-Zulassung.

Bundestagsabgeordnete beschreibt IGF als Katalysator für KMU-Weltmarktfähigkeit

Die Bundestagsabgeordnete Elisabeth Kaiser (SPD) aus Gera, unter anderem Mitglied im Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen, im Ausschuss Digitale Agenda und im Ausschuss für Inneres und Heimat, informierte sich am 14. Oktober 2020 über die Situation und Bedürfnisse der KMU in der Region. "Mittelständische Textilunternehmen haben die Region Ostthüringen großgemacht. Zu den wirksamsten Mitteln für eine Standort- und Strukturförderung gehört die weltweit einmalige Industrielle Gemeinschaftsforschung. Erfahrungen und Kompetenz der Unternehmer kombiniert mit wissenschaftlicher Expertise sind ein enormer Katalysator für die Weltmarktfähigkeit und Zukunftsstärke kleiner und mittlerer Unternehmen. Diese Forschungsförderung gibt den Mittelständlern nicht zuletzt auch eine Grundlage, auf Dauer ökonomisch, sozial und ökologisch nachhaltig zu produzieren", erklärte Kaiser. Sie hat ihren Wahlkreis in Ostthüringen und ihren Betreuungswahlkreis im Raum Eisenach in Westthüringen.

„Die aktuelle CO2-Bespreisung ab 1. Januar 2021 ist eine besondere Herausforderung für die deutschen mittelständischen Textilunternehmen. Nach einer Umfrage des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie e. V zum Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) erwarten die energieintensiven Textilproduzenten, wie Veredler oder Vliesstoffhersteller, bis zu 20 Prozent höhere Brennstoffkosten für Wärme und Trocknungsprozesse schon ab dem kommenden Jahr. Standortverlagerungen und Existenzbedrohung von deutschen Textil-KMU könnten die Folge sein, wenn nicht zügig eine Entlastungsregelung umgesetzt wird“, richtete sich Diebel an die Politik. Allein die Thorey GmbH befürchtet 2021 über 41.000 Euro Mehrausgaben durch die CO2-Steuer. (frd)