FORSCHER Mittelstand – Ausgezeichnete Projekte für die Praxis

Staatssekretär Christian Hirte (l.) und AiF-Präsident Sebastian Bauer

Bundestagsabgeordneter René Röspel (m.), Bundesforschungsministerin a.D. Dr. Edelgard Bulmahn und AiF-Präsident Bauer

Rund 140 Gäste folgten der Einladung des AiF-Präsidenten.

Die diesjährigen Gewinner des Otto von Guericke-Preises Michael Werner (l.) und Dr.-Ing. Grzegorz Śliwiński (r.) mit DECHEMA-Geschäftsführer Professor Kurt Wagemann.

Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen mit AiF-Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Kathöfer (l.) und einem der Gewinner

08.11.2018 |

Am 7. November 2018 präsentierte die AiF in der Berliner Eventlocation E4 am Potsdamer Platz drei Finalisten für das IGF-Projekt des Jahres 2018, das den mit 10.000 Euro dotierten Otto von Guericke-Preis der AiF erhielt. Die AiF vergibt den Preis seit 1997 einmal im Jahr für herausragende Leistungen in der vorwettbewerblichen Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF), die im Netzwerk der AiF und ihrer Forschungsvereinigungen organisiert und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit öffentlichen Mitteln gefördert wird. Rund 140 Gäste aus Politik, Ministerien, Wirtschaft und Wissenschaft waren der Einladung des AiF-Präsidenten Professor Sebastian Bauer gefolgt, um die Bekanntgabe der Entscheidung live mitzuerleben.

IGF hat einen großen Bedarf

AiF-Präsident Bauer hieß die Gäste willkommen und stellte zunächst die außergewöhnliche Breitenwirkung der IGF in den Blickpunkt. „Die IGF hat einen großen Bedarf, der sich in der ungebrochen hohen Zahl an Anträgen auf Förderung zeigt.“, sagte Bauer. „Dabei  beteiligen sich immer mehr Unternehmen an den Projektbegleitenden Ausschüssen der IGF-Projekte – im vergangenen Jahr über 20.000. Während in anderen Förderprogrammen in der Regel zwei Unternehmen an einem Förderprojekt beteiligt sind, sind es bei der IGF durchschnittlich 12. Das sind 12 überwiegend kleine und mittlere Unternehmen, von denen viele keine eigene Forschungsabteilung haben und für die die Gemeinschaftsforschung oft die einzige Unterstützung ihrer Innovationstätigkeit ist und eine stete Inspiration, Neues anzugehen.“, erklärte er. Eine im Frühjahr veröffentlichte Studie zur Verbreitung technologischer Trends im Auftrag des BMWi stellte zudem fest, dass die IGF, und auch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM), wichtige Transmissionsriemen im deutschen Innovationssystem sind. IGF und ZIM unterstützen die interdisziplinäre Zusammenarbeit und mittelständische Unternehmen nutzen die beiden BMWi-Programme intensiv zur Absorption von Technologietrends.

Vor diesem Hintergrund erklärte der AiF-Präsident mit Blick auf die aktuelle Haushaltsdebatte: „Die Dynamik des AiF-Netzwerks sollte nicht behindert werden. Wir benötigen für die von uns betreuten Programme einen dem Bedarf angemessenen Fördermittelaufwuchs, um weiterhin die Innovationskraft des Mittelstands zu stärken, Fachkräfte für den Mittelstand auszubilden und junge und etablierte Unternehmen miteinander und mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu vernetzen.“, sagte Bauer.

IGF-Projekt des Jahres 2018 erhält Otto von Guericke-Preis der AiF

Im Rahmen der Verleihung des Otto von Guericke-Preises präsentierten drei Finalisten ihre besonders innovativen IGF-Forschungsarbeiten. Sie waren vom Wissenschaftlichen Rat (WR) der AiF ausgewählt worden und hatten die Jury mit einem besonders hohen Erkenntnisgewinn, aber auch mit der großen wirtschaftlichen Bedeutung der Ergebnisse für mittelständische Unternehmen überzeugt. Die Finalisten und ihre IGF-Projekte wurden in Kurzfilmen und anschließenden Interviews durch Moderatorin Marlies Schaum vorgestellt. Der WR-Vorsitzende der AiF, Professor Peter Schieberle, gab die Gewinner bekannt.

Den diesjährigen Preisträgern Dr.-Ing. Grzegorz Śliwiński von der Technischen Universität (TU) Dresden und Dipl.-Ing. (FH) Michael Werner vom Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umform­technik (IWU) in Chemnitz ist es gelungen, ein kindgerechtes Therapiegerät und eine Simulationsplattform für die Skoliosebehandlung zu entwickeln. Damit soll nicht nur die Therapie vereinfacht, sondern auch das Gesundheitswesen entlastet werden. Koordiniert wurde das Projekt vom AiF-Mitglied DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

Laut Deutschem Gesundheitsamt weisen 80 Prozent der Kinder in Deutschland Haltungsschäden auf. Etwa 125.000 Heranwachsende ab dem 10. Lebensjahr sind sogar von einer krankhaften Wirbelsäulenverkrümmung, der so genannten Skoliose, betroffen. Eine notwendige Therapie dieser Erkrankung ist anstrengend und erfordert einen hohen personellen Aufwand.

Im Rahmen des ausgezeichneten IGF-Projektes wurde eine moderne, speziell auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen angepasste sensor- und aktorunterstützte Therapieform entwickelt, mit der die Voraussetzung für eine wissenschaftsbasierte Patientenversorgung geschaffen wurde. Die gerätegestützte Skoliosetherapie mit FED (Fixation, Elongation und Derotation), auf der das moderne Gerätekonzept der Preisträger aufbaut, basiert auf der Mobilisierung der Wirbel, der Stimulation des Knochenwachstums, der Muskelkräftigung und der Verbesserung der sensomotorischen Kontrolle. Besonders wichtig war den ausgezeichneten Ingenieuren eine offene Bauweise des Therapiegeräts, die die kleinen Patienten nicht einengt. Sein Herzstück ist ein integriertes multisensorisches Feedbacksystem, das auf die Bewegungen des Patienten reagiert. Dadurch werden sowohl die kognitiven als auch die sensomotorischen Fähigkeiten während der Behandlung optimal angesprochen. Vorteil des neu geschaffenen Systems ist vor allem die Befähigung der Patienten, ihre Körperhaltung von sich aus zu korrigieren und zu lernen, diese Haltung im Alltag selbstständig einzunehmen. Gleichzeitig wird die Motivation der Patienten durch spielerische Elemente in der Therapie deutlich erhöht.

Mittelstandsbeauftragter Christian Hirte gratulierte den Gewinnern

Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie und Beauftragter der Bundesregierung für Mittelstand und für die neuen Bundesländer, sprach ein Grußwort. Er gratulierte den Preisträgern und sagte zu dem ausgezeichneten IGF-Projekt: „Es freut mich sehr, dass die Förderung der Industriellen Gemeinschaftsforschung durch das Bundeswirtschaftsministerium diese herausragende Innovation ermöglicht hat. Im Zentrum der IGF steht die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen und Mittelständlern. Ich bin sicher, dass der Transfer der Forschungsergebnisse in die Wirtschaft gelingt. Das gibt der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit unseres Mittelstands Schub. Und wenn die an Skoliose erkrankten Kinder bald effektiv therapiert werden und Operationen gar vermieden werden können, wird unser Gesundheitssystem geschont.“

Bei einem Flying Dinner hatten alle Teilnehmer im Anschluss die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und persönliche Gespräche zu führen.

Weitere Informationen zum IGF-Projekt des Jahres 2018 finden Interessenten in einer ausführlichen Presseinformation und einem dreiminütigen Film zum Projekt, der – ebenso wie die Filme zu den beiden weiteren Finalisten – in der AiF-Mediathek verfügbar ist.

Impressionen der Veranstaltung finden Sie in einer Bildergalerie.

Hier geht´s zur Presseinformation des BMWi.

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