FORSCHER Mittelstand – Gemeinsam innovativ

AiF-Präsidentin Karmann-Proppert eröffnete die Veranstaltung.

Leitmotiv des Highlight-Events der AiF

Angeregte Diskussionen auf der Bühne

Dr. Mai Thi Nguyen-Kim moderierte die Veranstaltung.

Iris Plöger und Edwin Büchter

AiF-Präsidentin Karmann-Proppert und Dr. Christian Otten

Der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Rates der AiF: Professor Peter Schieberle

Die Otto von Guericke-Preisträger 2017 (v.l.): Dr.-Ing. Sven Hübner, Masood Jalanesh und Professor Bernd-Arno Behrens

Der Nikolaus war auch zu Gast.

07.12.2017 |

Deutschlands Mittelstand arbeitet im Netzwerk. „Gemeinsam innovativ“ war daher das Leitmotiv des diesjährigen Highlight-Events der AiF in Berlin. Rund 160 Gäste aus Politik, Ministerien, Wirtschaft und Wissenschaft waren der Einladung der AiF-Präsidentin, Yvonne Karmann-Proppert, am 6. Dezember 2017 ins Humboldt Carré gefolgt, um exemplarische Erfolgsgeschichten solcher Zusammenarbeit im Innovationsnetzwerk der AiF kennenzulernen: ob zwischen Wirtschaft und Wissenschaft oder erfahrenen Mittelständlern und Start-up-Unternehmen.

AiF-Präsidentin Karmann-Proppert, Geschäftsführende Gesellschafterin der Pharma-Labor Yvonne Proppert GmbH, hieß die Gäste willkommen und blickte zu Beginn der Veranstaltung auf das letzte Jahr ihrer Ende 2017 auslaufenden Amtszeit als AiF-Präsidentin zurück: „Ich freue mich sagen zu können, 2017 war ein gutes Jahr. Sowohl das große EFI-Jahresgutachten 2017 (Expertenkommission Forschung und Innovation) als auch das Hightech-Forum, das die Bundesregierung 2015 bis 2017 hinsichtlich ihrer Hightech-Strategie beraten hat, bezeichnen die von der AiF betreuten Programme Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) und Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) als bedeutende Instrumente der technologieoffenen Förderung. Das ist sehr erfreulich, zumal diese Einschätzung unabhängiger Experten auch in der Politik angekommen ist, die quer durch alle Parteien eine Mittelerhöhung für die beiden Mittelstandsprogramme empfehlen. Die genaue Ausgestaltung bleibt noch abzuwarten, fest steht aber, dass die AiF selbstbewusst und optimistisch nach vorne schauen kann.“, so Karmann-Proppert.

Podiumsdiskussion Start-up trifft Mittelstand

Wie Start-ups und etablierte Mittelständler erfolgreich zusammenarbeiten war Thema einer Podiumsdiskussion, die von „Edutainerin“ Dr. Mai Thi Nguyen-Kim moderiert wurde. Auf dem Podium saßen Dr. Christian Otten, Gründer des Start-ups Lava-X, Edwin Büchter, Geschäftsführender Gesellschafter der Clean-Lasersysteme GmbH in Herzogenrath und Mitglied des Unternehmerbeirats der AiF, Iris Plöger, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) sowie AiF-Präsidentin Karmann-Proppert.

Laut dem Institut für Mittelstandsforschung Bonn profitieren beide Seiten davon, wenn etablierte Mittelständler und Start-ups kooperieren. Mittelständische Unternehmen können mit dem Wissen von hochqualifizierten Fachkräften etwa die Digitalisierung ihres eigenen Geschäftsmodells weiterentwickeln und Gründer branchenspezifisches Know-how sowie Zugang zu Ressourcen und zu einem großen Netzwerk erhalten.

Voraussetzung für eine erfolgreiche Partnerschaft ist aber zunächst, dass mittelständische Unternehmen und junge innovative Unternehmen zusammenfinden. Das stellte auch Iris Plöger fest. Sie erläuterte aus Sicht des BDI, welche Rolle Start-ups für das Innovationsgeschehen in Deutschland spielen, welchen Herausforderungen sie sich gegenüber sehen und wie der BDI Start-ups unterstützt. „Wir brauchen eine bessere Verknüpfung von Start-ups und gestandenen Unternehmen – zum Beispiel durch gegenseitige Aufsichtsratsmandate, Kapitalinvestitionen, Aufträge oder technologische Unterstützung.“, sagte Plöger.

AiF-Präsidentin Karmann-Proppert bekräftigte, dass im Forschungsnetzwerk der AiF Kooperation lange geübte Praxis ist. Zum einen entstehen im AiF-Netzwerk durch die regelmäßige Zusammenarbeit vertrauensvolle Kontakte, die über die Projektlaufzeiten hinausreichen. Zum anderen führt die AiF-Tochtergesellschaft AiF Forschung · Technik · Kommunikation GmbH unter der Überschrift „Start-up trifft Mittelstand“ seit April dieses Jahres im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums eine Maßnahme durch, in dessen Rahmen etablierte Unternehmen und Gründer zugunsten eines regen und kreativen Austausches zusammengeführt werden.

Edwin Büchter begleitet die Gründung von Lava-X seit 2016. „Herrn Ottens Idee hat mich sofort überzeugt.“, so Büchter. „Und die Zusammenarbeit hat von Anfang an gut funktioniert, vielleicht, weil wir beide IGF-Erfahrung hatten und das `Über den Tellerrand gucken´ verinnerlicht haben. Außerdem sehe ich durch den Austausch klarer, wo es derzeit Verbesserungspotenziale in meinem eigenen Unternehmen gibt.“

Das Start-up Lava-X beschäftigt sich mit dem Laserstrahlschweißen im Vakuum. Einsetzbar ist die Technologie in vielen Bereichen, so zum Beispiel als Fügetechnik für innovative Kochtöpfe. „Ohne IGF-Erfahrung mit vielen Kontakten zu mittelständischen Unternehmen wäre ich wahrscheinlich gar nicht auf die Idee gekommen, selbst ein Unternehmen zu gründen.“, sagte Christian Otten. „Aber auch wenn man sehr gut ausgebildet ist, die unternehmerische Erfahrung, die ein Mentor und Businessangel wie Herr Büchter einbringen kann, ist unersetzlich.“

AiF-Präsidentin Karmann-Proppert stellte abschließend fest, dass Christian Otten ein Paradebeispiel für das ist, was im AiF-Netzwerk möglich ist und wofür die AiF steht: Die Nachwuchsförderung im Rahmen der IGF, das Knüpfen belastbarer Kontakte sowie den Ergebnistransfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft. „Besser geht es nicht….“, ist sie überzeugt.

IGF-Projekt des Jahres 2017 erhält Otto von Guericke-Preis der AiF

Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war die Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Otto von Guericke-Preises. Die AiF vergibt den Preis seit 1997 einmal im Jahr für herausragende Leistungen in der IGF. Den diesjährigen Preisträgern Professor Bernd-Arno Behrens, Dr.-Ing. Sven Hübner und Masood Jalanesh vom Institut für Umformtechnik und Umformmaschinen (IFUM) der Leibniz Universität Hannover ist es in diesem Rahmen gelungen, ein Werkzeugsystem zu erarbeiten, mit dem der Fügeprozess, speziell der Schweißprozess, in die so genannte Ziehstufe integriert werden kann. Das Tiefziehen ist das am weitesten verbreitete Fertigungsverfahren für die Herstellung von Blechbauteilen – von Getränkedosen bis zu Karosserieteilen. Es ermöglicht fast jedes Metall umzuformen und dabei dessen Eigenschaften zu verbessern.

Dadurch, dass Umformung und Fügen nun im gleichen Umformwerkzeug und in ein und demselben Pressenhub ablaufen können, fallen Fertigungsstufen weg. Das birgt enorme Einsparpotenziale. Tiefziehen, Fügen und Kalibrieren von Baugruppen dauern nur noch drei Sekunden bei gleichzeitiger Kostenreduzierung um 50 Prozent. Zudem ist das neue Verfahren hochpräzise und ermöglicht neben einer Verbreiterung der Anwendungsgebiete auch eine Ausweitung des Produktportfolios. Beispielsweise kann es für die Baugruppenfertigung im Bereich der Elektromobilität verwendet werden.

Drei Finalisten waren vom Wissenschaftlichen Rat (WR) der AiF für den Otto von Guericke-Preis 2017 ausgewählt worden. Sie hatten die Jury mit einem besonders hohen Erkenntnisgewinn, aber auch mit der großen wirtschaftlichen Bedeutung der Ergebnisse für mittelständische Unternehmen überzeugt. Die Finalisten und ihre IGF-Projekte wurden in Kurzfilmen und anschließenden Interviews vorgestellt.

Ein Flying Dinner mit musikalischer Unterhaltung und dem Besuch des Nikolaus bot allen Teilnehmern zum Abschluss der Veranstaltung die Gelegenheit für persönliche Gespräche.

Weitere Informationen zum IGF-Projekt des Jahres 2017 finden Interessenten in einer ausführlichen Presseinformation und einem dreiminütigen Film zum Projekt, der – ebenso wie die Filme zu den beiden weiteren Finalisten – in der AiF-Mediathek verfügbar ist.

Impressionen der Veranstaltung finden Sie in einer Bildergalerie.

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