Forschungsnetzwerk Mittelstand: Die AiF feiert 60-jähriges Jubiläum

Die AiF-Präsidentin (2.v.l.) und die MdB Klaus Barthel, Staatssekretärin Gleicke, Bundestagsvizepräsidentin und Bundesforschungsministerin a.D. Edelgard Bulmahn sowie Dr. Philipp Murmann (v.l.)

09.10.2014 |

In den sechs Jahrzehnten ihres Bestehens lenkte die AiF fast zehn Milliarden Euro öffentlicher Mittel in Entwicklungen und Innovationen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und brachte 200.000 Forschungsprojekte auf den Weg. „Das ist eine stolze Bilanz, die die AiF zur führenden nationalen Organisation zur Förderung angewandter Forschung und Entwicklung (FuE) im Mittelstand macht.“, sagte AiF-Präsidentin Yvonne Karmann-Proppert bei der Eröffnung der Jubiläumsveranstaltung, die am 8. Oktober 2014 in Berlin stattfand.

Innovationskraft für Deutschland

Unter der Überschrift „Innovationskraft für Deutschland“ waren rund 450 Gäste der Einladung der AiF ins TIPI am Kanzleramt gefolgt, um mit ihr zu feiern. Darunter waren rund 20 Mitglieder des Deutschen Bundestages und zahlreiche Persönlichkeiten aus Ministerien, Wirtschaft und Wissenschaft, die sich über die aktuelle Situation der über die AiF geförderten  Forschung informieren konnten. Moderiert von ntv-Redakteurin Corinna Wohlfeil sprachen Iris Gleicke, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie sowie Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, und AiF-Präsidentin Karmann-Proppert über die Technologieförderung des BMWi. Als Träger der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) und Projetträger für die stärkste Fördersäule des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand, ZIM-KOOP, sind die AiF und ihre Töchter dabei wichtige Partner des Ministeriums.

Gleicke unterstrich in ihren Statements den hohen Stellenwert der Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft. „Der Technologietransfer ist insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen wichtig, um ihre Kernkompetenzen den sich ständig verändernden Marktgegebenheiten anzupassen.“, erklärte sie. Von innovativen Produkten, Verfahren oder Dienstleistungen profitiere die Volkswirtschaft durch neue Arbeitsplätze und ein steigendes Bruttosozialprodukt. Ein gutes Beispiel dafür sei auch das an diesem Abend mit dem Otto von Gueircke-Preis ausgezeichnete IGF-Projekt, "das dem Steuerzahler richtig viel Geld sparen kann", so Gleicke.

Karmann-Proppert beleuchtete die aktuellen Antragszahlen speziell in der IGF. So gingen im ersten Halbjahr dieses Jahres 63 Prozent mehr IGF-Anträge im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 ein. „Das ist ein absoluter Rekord,“, kommentierte sie, „der uns einerseits freut, da er zeigt, dass unsere vielfältigen Anstrengungen, die AiF und die IGF bekannter zu machen, greifen. Andererseits sinkt der Spielraum für Neubewilligungen von guten Anträgen dadurch dramatisch, weil die öffentlichen Fördermittel nicht Schritt halten. Wichtige Projekte, die die Wettbewerbs- und die Zukunftsfähigkeit ganzer Branchen stärken, können nicht starten. Wir brauchen und wünschen uns daher einen Aufwuchs der IGF-Fördermittel im Jahr 2015 um 20 Millionen Euro auf 158,5 Millionen Euro, um diesen Antragsboom in Innovationskraft für Deutschland umzuwandeln. Damit würde die Bundesregierung ein klares Bekenntnis zur Beteiligung des Mittelstandes an zukunftsweisenden Technologien abgeben, ganz im Sinne der neuen Hightech-Strategie.“, erklärte die AiF-Präsidentin.

IGF-Projekt des Jahres 2014

Ein weiterer Höhepunkt der Jubiläumsveranstaltung war die Auszeichnung des IGF-Projekts 2014. Drei Finalisten waren dafür vom Wissenschaftlichen Rat der AiF aus insgesamt 14  Bewerbungen ausgewählt worden. Sie hatten die Jury mit einem besonders hohen Erkenntnisgewinn, aber auch mit der großen wirtschaftlichen Bedeutung der Ergebnisse für mittelständische Unternehmen überzeugt. Die Finalisten und ihre IGF-Projekte wurden in Kurzfilmen und anschließenden Interviews vorgestellt. Die Gewinner erhielten den mit 5.000 Euro dotierten Otto von Guericke-Preis, den die AiF bereits zum 18. Mal in Würdigung herausragender Leistungen in der IGF verliehen hat.

Die diesjährigen Preisträger – die Ingenieure Peter Lebelt vom Institut für Korrosionsschutz Dresden, Dennis Rademacher von der Technischen Universität Dortmund und Fabian Simonsen von der Staatlichen Materialprüfungsanstalt Darmstadt – haben ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, die Feuerverzinkung im Brückenneubau anzuwenden. Es  garantiert einen langlebigen, wartungsfreien und robusten Korrosionsschutz von 100 Jahren –  der rechnerischen Lebensdauer einer Brücke. Bislang sind es meist Farben und Lacke, die Stahl- und Verbundbrücken vor Korrosion schützen. Diese Beschichtungen müssen jedoch nach rund 25 bis 30 Jahren mit hohem finanziellem Aufwand erneuert werden. Die Auswirkungen sind allgemein bekannt: Ein akuter Sanierungsstau führt dazu, dass viele Bauwerke in Deutschland nur eingeschränkt befahrbar sind. Sperrungen und kilometerlange Verkehrsstaus sind die Folge. Kein Wunder also, dass die Ergebnisse des ausgezeichneten IGF-Projekts bereits im laufenden Jahr in die Praxis umgesetzt werden: beim Bau der ersten feuerverzinkten Stahlverbundbrücke im Zuge der Erweiterung der A44 Kassel-Erfurt.

Weitere Informationen finden Sie in einer ausführlichen Presseinformation und einem dreiminütigen Film zum Projekt, der, ebenso wie die Filme zu den beiden weiteren Finalisten, in unserer Mediathek verfügbar ist.

Science Slam als Bühne für Nachwuchswissenschaftler

Zum Abschluss des Programms stellten vier Nachwuchswissenschaftler ihre aktuellen IGF-Forschungsbereiche im Rahmen eines Science Slam vor. Besondere Herausforderung eines solchen Vortragsturniers ist es, komplexe wissenschaftliche Themen auf unterhaltsame Art zu veranschaulichen und Interesse dafür zu wecken. Das Themenspektrum umfasste Fragestellungen aus den Bereichen Ernährung, Textil und Chemische Technik. Die Gäste der Jubiläumsveranstaltung wählten den überzeugendsten Nachwuchswissenschaftler am Ende des Turniers via „Applausometer“ zum Gewinner. Die Nase vorn hatten dabei Karoline Günther und Christina Giebing von der Hochschule Niederrhein, die „ihr“ IGF-Projekt zur Entwicklung von innovativen Textilien präsentierten, die Röntgenstrahlung abschirmen können.

Das anschließende „Get-together“ mit Köln-Berliner Buffet und musikalischer Untermalung der Toby Tones bot Gelegenheit zum lockeren Gedankenaustausch und Kontakteknüpfen. Die „Physikanten“ unterhielten die Gäste mit spannenden Experimenten unter anderem zum Vakuum und folgten damit den Spuren des AiF-Namenspatrons Otto von Guericke.

Blick zurück und Blick nach vorn

In der AiF begegnen sich seit 60 Jahren Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mit dem gemeinsamen Ziel, den innovativen Mittelstand zu fördern. Dazu hatten sich im Gründungsjahr der AiF 20 branchenorientierte Forschungsvereinigungen zusammengeschlossen. Heute arbeiten in diesem Verbund 100 Forschungsvereinigungen mit 1.200 Forschungsstellen sowie etwa 50.000 angegliederten Unternehmen zusammen. Zunächst mit Sitz in Düsseldorf, seit 1957 in Köln, hat der gemeinnützige Dachverband AiF das Ziel, insbesondere KMU den Zugang zu neuen Technologien zu erleichtern, da sie zumeist keine eigenen FuE-Kapazitäten haben. Verbesserte Produktionsverfahren, neue Werkstoffe oder Dienstleistungen zählen dabei zu den Zielen, die das Innovationsnetzwerk im Rahmen mittelstandorientierter Technologieförderung unterstützt.

Die Etablierung firmenspezifischer FuE-Förderprogramme für KMU in den 1970er Jahren, die Ausweitung des Forschungshorizonts auf die Europäische Union in den 1980er Jahren und die schnelle und wirksame Ausdehnung der Arbeit der AiF auf die neuen Länder sind nur einige Glanzlichter in der Geschichte der AiF. Bereits am 15. November 1990 – nur sechs Wochen nach der Vereinigung – eröffnete die AiF eine Außenstelle im Osten Berlins: Die heutige AiF Projekt GmbH in Berlin ist eine 100-prozentige Tochter der AiF und hat rund 120 Mitarbeiter.

Kernaufgabe der AiF ist – gestern wie heute – die vorwettbewerbliche IGF, deren Projekte das BMWi mit öffentlichen Mitteln fördert. Volkswirtschaftlich betrachtet liegen die Vorteile der IGF darin, dass technische und wirtschaftliche Risiken auf mehrere Schultern verteilt werden. Themenfindung und Projektsteuerung werden von Unternehmensvertretern begleitet, so dass einzigartige Vernetzungseffekte zwischen Wirtschaft und Wissenschaft entstehen. Außerdem sind die Forschungsergebnisse allen Interessierten zugänglich, branchenweit und branchenübergreifend. Die staatlichen Fördermittel der IGF bewirken in den Unternehmen einen Hebeleffekt: Sie regen dort eigene Investitionen in FuE an. Im Jahr 2013 waren ca. 15.000 überwiegend mittelständische Unternehmen an rund 1.500 IGF-Projekten beteiligt, die das BMWi mit 138,4 Millionen Euro förderte.

Die zweite Säule der AiF bildet gegenwärtig das ZIM mit dem Fördermodul FuE-Kooperationsprojekte, das über die AiF Projekt GmbH koordiniert wird. Mit Hilfe von ZIM-KOOP können KMU, insbesondere in Kooperation mit wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen oder anderen Unternehmen, FuE-Arbeiten kofinanzieren. Seit dem Start des Programms in 2008 wurden über 32.000 Anträge gestellt und für mehr als 22.000 Vorhaben Fördermittel des BMWi in Höhe von 2,6 Milliarden Euro zugesagt. Einer der Vorläufer dieses Programms sind die „FuE-Personalkostenzuschüsse“ – kurz PKZ. Diese ermöglichten es KMU von 1979 bis 1987, Zuschüsse für ihr Forschungs- und Entwicklungspersonal zu erhalten. Das Förderprogramm, das die AiF ebenfalls als Projektträger betreute, gehört zu den wichtigsten forschungs- und technologiepolitischen Maßnahmen des Bundes für den Mittelstand. Rund 20.000 KMU wurden im PKZ mit 3,3 Milliarden DM gefördert. In den geförderten Unternehmen wuchs das FuE-Personal um rund 38.000 Personen.

Die vorwettbewerbliche IGF und das marktnähere ZIM stärken die Innovationskraft mittelständischer Unternehmen, da sie entlang der Innovationskette ineinandergreifen und so den Transfer von Forschungsergebnissen in die Umsetzung in der betrieblichen Praxis beschleunigen. Damit bietet die AiF passgenaue Unterstützung aus einer Hand, um die Innovationskraft des Mittelstands nachhaltig zu stärken.

Ein 15-minütiges Special des Hauptstadtsenders tv.berlin und eine knapp 5-minütige Dokumentation der 60-Jahr-Feier fassen die Highlights zusammen. Eine Bildergalerie vermittelt einige Eindrücke der Veranstaltung.

zurück