Otto von Guericke-Preis 2014: Feuerverzinken schützt Brücken vor Korrosion

Die Otto von Guericke-Preisträger 2014: Dennis Rademacher, Fabian Simonsen und Peter Lebelt (v.l.)

09.10.2014 |

Sanierungsstau bei Brücken: Bundesweit sind viele Bauwerke so marode, dass sie nur eingeschränkt befahrbar sind. Sperrungen und kilometerlange Verkehrsstaus sind die Folge. Farben und Lacke schützen Stahl- und Verbundbrücken vor Korrosion. Nach rund 25 bis 30 Jahren müssen diese Beschichtungen jedoch mit hohem finanziellem Aufwand erneuert werden. Die Ingenieure Peter Lebelt vom Institut für Korrosionsschutz Dresden, Dennis Rademacher von der Technischen Universität Dortmund und Fabian Simonsen von der Staatlichen Materialprüfungsanstalt Darmstadt haben ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, die Feuerverzinkung im Brückenneubau anzuwenden. Sie garantiert einen langlebigen, wartungsfreien und robusten Korrosionsschutz von 100 Jahren. Das entspricht der rechnerischen Lebensdauer einer Brücke.

Die AiF würdigte diese Innovation mit dem Otto von Guericke-Preis 2014. Er wurde dem Forscherteam in einer Festveranstaltung anlässlich des 60jährigen Bestehens der AiF in Berlin am 8. Oktober verliehen. Die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wird alljährlich für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) vergeben. Die vorwettbewerbliche IGF wird im Innovationsnetzwerk der AiF und ihrer 100 Forschungsvereinigungen organisiert und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit öffentlichen Mitteln gefördert.

Im Rahmen des ausgezeichneten IGF-Vorhabens, das die AiF-Forschungsvereinigungen Stahlanwendung, Gemeinschaftsausschuss Verzinken und Deutscher Ausschuss für Stahlbau koordiniert hatten, erbrachten die Wissenschaftler erstmals den bauingenieursmäßigen Nachweis, dass feuerverzinkte Stahlbauteile auch bei zyklisch belasteten Konstruktionen sicher eingesetzt werden können. Im Mittelpunkt ihrer interdisziplinären Untersuchungen standen zum einen Simulationen, zum anderen experimentelle Untersuchungen. „Wir haben darüber hinaus durch viele Experimente festgestellt, dass feuerverzinkte Brücken auch unter dynamischer Verkehrsbelastung enorme ökologische und ökonomische Vorteile gegenüber klassisch beschichteten Brückenbauwerken bieten.“, erklären Lebelt, Rademacher und Simonsen. Zusätzlich konnten sie durch Bauteilproben, die an Brücken ausgelagert wurden, klimatische Einflussfaktoren bestimmen. Die Daten bildeten eine weitere Grundlage bei der Bewertung von Korrosionsbelastungen. Die Ergebnisse bestätigen, dass Zinküberzüge einen Korrosionsschutz von 100 Jahren gewährleisten. Mit dem Bau der ersten feuerverzinkten Stahlverbundbrücke im Zuge der Erweiterung der A44 Kassel-Erfurt werden bereits im laufenden Jahr die erarbeiteten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse unmittelbar in die Praxis umgesetzt.

Der mittelständische Wirtschaftssektor Stahlbau besteht mit den am Brückenbau beteiligten Planern und Zuliefern vorwiegend aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Ebenfalls mittelständisch geprägt ist die Branche Feuerverzinken, deren Firmen vielfach für Metall- und Stahlbauunternehmen tätig sind. Mit den Forschungsergebnissen aus dem IGF-Projekt besteht großes Potenzial, den Brückenbau nun auch für feuerverzinkte Stahl- und Verbundkonstruktionen zu erschließen. Darüber hinaus kann der Markt für die Verzinkungsindustrie erstmals auf den Bereich von zyklisch beanspruchten Konstruktionen mit hoher korrosiver Belastung ausgebaut werden. 

In unserer Mediathek finden Sie einen 3-minütigen Film zum Projekt sowie zu den anderen beiden Finalisten für den Otto von Guericke-Preis 2014.

Ansprechpartner zum Projekt

Institut für Korrosionsschutz, Peter Lebelt,
peter.lebelt(at)iks-dresden.de, Telefon: +49 351 871 7106

Technische Universität Dortmund, Dennis Rademacher,
dennis.rademacher(at)tu-dortmund.de, Telefon: +49 231 755 4770

Technische Universität Darmstadt, Staatliche Materialprüfungsanstalt Darmstadt, Fabian Simonsen,
simonsen(at)mpa-ifw.tu-darmstadt.de, Telefon: +49 6151 164 740


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