Parlamentarischer Abend der AiF: Industrie 4.0 für den Mittelstand

MdB Thomas Jurk, IGF-Geschäftsführer Dr. Schmidt, AiF-Präsidentin Karmann-Proppert, MdB Dr. Simone Raatz, FILK-Geschäftsführer Prof. Michael Stoll und AiF-Vizepräsident Dr. Eduard Neufeld (v.l.)

20.05.2015 |

Industrie 4.0 wird auch die „vierte industrielle Revolution“ genannt. Als Sammelbegriff für eine umfassende Digitalisierung und Vernetzung in der Produktion steht sie für einen tiefgreifenden technologischen Wandel in der Wirtschaft. Mittelständische Unternehmen betrifft diese Entwicklung genauso wie große Unternehmen, denn hier am Ball zu bleiben, heißt nicht nur wettbewerbsfähig zu bleiben, sondern auch Chancen zu nutzen, die sich daraus ergeben. So erwarten einer Studie des Verbandes Bitkom zufolge allein die sechs Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik, Automobilbau, Chemische Industrie, Landwirtschaft und Informations- und Kommunikationstechnologien bis zum Jahr 2025 ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von 78 Milliarden Euro und ein jährliches Wachstum von 1,7 Prozent durch Industrie 4.0-Technologien.

Wie insbesondere mittelständische Unternehmen hier partizipieren können und welche Impulse die beiden von der AiF betreuten Fördermaßnahmen IGF und ZIM dazu liefern, stand im Mittelpunkt des diesjährigen Parlamentarischen Abends der AiF, der am 19. Mai 2015 in Berlin stattfand. Yvonne Karmann-Proppert, Präsidentin der AiF und Geschäftsführende Gesellschafterin der Pharma-Labor Yvonne Proppert GmbH, konnte dazu insgesamt 13 Mitglieder des Deutschen Bundestages (MdB) in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften begrüßen, darunter auch AiF-Senator Klaus Barthel.

Erfolg der IGF verdankt sich ihrer Zukunftsorientierung

AiF-Präsidentin Karmann-Proppert zeigte sich in ihrer Einführung davon überzeugt, dass sich der Erfolg der branchenweiten und branchenübergreifenden Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) ihrer Zukunftsorientierung verdankt. Durch den immensen Nachfrageboom nach innovativen IGF-Projekten ist aber auch ein erhöhter Forschungsbedarf zu bedienen. Im 1. Quartal 2015 konnten im Mittel nur 11 Prozent der befürworteten IGF-Vorhaben bewilligt werden, weil die Fördermittel der erfreulichen Entwicklung nicht Rechnung tragen.

„Wir brauchen einen angemessenen Fördermittelaufwuchs in der IGF um rund 34 Millionen auf 173 Millionen Euro für 2016, damit zumindest alle von den Gutachtern der AiF als sehr gut bewerteten Anträge für den Mittelstand starten können.“, sagte Karmann-Proppert. „Zu unserem großen Erstaunen müssen wir aber hören, dass die mittelfristige Haushaltsplanung der Bundesregierung für die IGF gegenwärtig eine Stagnation und sogar eine Verringerung der Fördermittel vorsieht. Das darf nicht sein, sind doch die öffentlichen Kassen laut aktueller Steuerschätzung prall gefüllt. Die Bundesregierung will ausdrücklich auch in ihrer neuen Hightech-Strategie den innovativen Mittelstand weiter stärken und sucht ständig nach wirksamen Mitteln dafür. Die Programme, die das Bundeswirtschaftsministerium über die AiF fördert, haben ihre Wirksamkeit immer wieder unter Beweis gestellt. Deshalb müssen hier auf Worte auch Taten folgen!“, forderte sie. „Im Wettbewerb stehende Unternehmen brauchen stabile, berechenbare Rahmenbedingungen und langfristige Planungshorizonte.“

Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand geht in die nächste Runde

Mit Blick auf das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM), dessen neue Förderrichtlinie am 15. April 2015 in Kraft getreten ist, bekräftigte die AiF-Präsidentin: „Wir hoffen, dass wir das Bundeswirtschaftsministerium auch in Zukunft bei dieser für den Mittelstand so wichtigen Fördermaßnahme unterstützen können.“ Das Projektträger-Ausschreibungsverfahren für die neue Richtlinie läuft aktuell. Auch die AiF Projekt GmbH, eine Tochtergesellschaft des AiF e.V., hat sich beworben. Derzeit ist die AiF Projekt GmbH für das Ende 2014 ausgelaufene ZIM als Projektträger für ZIM-Kooperationsprojekte tätig. Diese Fördersäule, in der die Zusammenarbeit von Unternehmen und von Unternehmen mit Forschungseinrichtungen unterstützt wird, ist die am meisten beanspruchte. Zwischen 2008 und 2014 wurden über 20.500 ZIM-Kooperationsprojekte mit einem zugesagten Fördervolumen von rund 2,8 Milliarden Euro auf den Weg gebracht.

Beitrag der IGF zu den Zukunftsthemen

Dr. Burkhard Schmidt, Geschäftsführer IGF der AiF, stellte anhand von Zahlen und Beispielen die Beiträge der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) geförderten IGF zu den wichtigen Zukunftsthemen Deutschlands vor. So adressiert sie zum Beispiel alle Themen der neuen Hightech-Strategie. Allein 29 Prozent der IGF-Vorhaben befassen sich mit der Digitalisierung, 20 Prozent mit dem Thema Industrie 4.0 und 15 Prozent der Vorhaben mit der Energiewende.

Vernetzung im Fokus

Im Anschluss wurden exemplarisch zwei Projekte zum Thema Industrie 4.0 präsentiert, die über die vorwettbewerbliche IGF und das marktnähere ZIM gefördert wurden.

Dr. Christoph Rathfelder von der AiF-Forschungsvereinigung Hahn-Schickard stellte in Vertretung des wegen des Bahnstreiks verhinderten Andreas Graf, Business Development Manager Automotive der itemis AG mit Hauptsitz in Lünen, ein IGF-Vorhaben vor, das sich mit einer vereinfachten Sensorkommunikation als Basis für Industrie 4.0 befasst. Das mittelständische IT-Beratungsunternehmen mit rund 160 Mitarbeitern wurde 2003 gegründet und bietet Produkte und Dienstleistungen für effiziente Softwareentwicklungsprojekte an. Kernkompetenz ist die Automatisierung in der Softwareherstellung durch modellbasierte Entwicklungsverfahren. Das Unternehmen hat sich im Projektbegleitenden Ausschuss des IGF-Vorhabens engagiert, das von der AiF-Forschungsvereinigung Hahn-Schickard initiiert wurde.

Dr. Uwe Kracke, Geschäftsführender Gesellschafter der emlix GmbH in Göttingen, präsentierte innovative Security-Bausteine für Industrie 4.0-Lösungen, deren Entwicklung über ZIM gefördert wird. Seit 2000 kombiniert die emlix GmbH mit 25 Mitarbeitern Embedded Open Source-Technologien, kundenspezifische Anwendungen und Erfahrungswissen zu wartbaren Software-Lösungen für die Steuerung und Vernetzung von Geräten, Maschinen und Anlagen. Die Sicherheit von Unternehmensdaten ist dabei auch für den Mittelstand ein maßgeblicher Faktor.

Forschungsnetzwerk für den Mittelstand

Die Teilnehmer des Parlamentarischen Abends aus Politik, Ministerien, Wirtschaft und  Wissenschaft nutzten die Gelegenheit, um Standpunkte auszutauschen und ein besseres Verständnis für die bestehenden Bedürfnisse des Mittelstands und die Machbarkeit von Maßnahmen zur Unterstützung seiner Innovationsaktivitäten zu gewinnen.

Zum Abschluss betonte die AiF-Präsidentin: „Wir von der AiF sorgen dafür, dass auch kleine und mittlere Unternehmen an den Forschungsfronten umwälzender Technologiefelder mitmachen können. Mit 100 Forschungsvereinigungen, 1.200 eingebundenen Forschungsstellen und 50.000 assoziierten Unternehmen ist die AiF das Forschungsnetzwerk für den Mittelstand in Deutschland. Dieses Forschungsnetzwerk erreicht den Mittelstand mit einer weltweit einzigartigen Breitenwirkung und ist ein enormer Standortvorteil für Deutschland, den es zu nutzen gilt.“

In einer Bildergalerie finden Sie Eindrücke von der Veranstaltung.

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Mittelstandsorientierte Forschung im Netzwerk der AiF

Interview mit AiF-Hauptgeschäftsführer Dr.-Ing. Thomas Kathöfer im Südwestrundfunk SWR am 19. August 2016 (2:55 Min.) | Beitrag anhören