Textilien als Lebensretter – immer besser durch kontinuierliche Forschung

Ulrich Tirian, MdB Dr. Marcus Faber, Johannes Diebel (v.l.)

30.10.2019 |

Technische Textilien, die mit speziellen Beschichtungen vor Giften, Chemikalien oder Feuer schützen, Baubeton stabilisieren, künstliche Muskeln, Sehnen und Bänder in der Medizin oder leichte Außenhüllen von Flugzeugen möglich machen, beweisen, dass sie außergewöhnlich vielfältige und wirksame Werkstoffe sind. Sie sorgen trotz geringem Materialaufwand für Stabilität, sind enorm flexibel, geben Sicherheit und sind natürlich weiterhin als klassische Kleidung funktional.

„Hemden, Blusen, Hosen, also Bekleidung, machen nur 40 Prozent des Branchenumsatzes in der deutschen Textilindustrie aus. Ein gutes Drittel nehmen die technischen Textilen ein. In der Entwicklung und Herstellung sogenannter technischer und inzwischen auch smarter Textilien, die man unter anderem in der Architektur, Ernährung, Mobilität, Energie, Gesundheit und mehr verwendet, ist Deutschland Weltmarktführer. Textile Werkstoffe wirken als ‚Problemlöser‘ in allen Branchen“, erklärte Johannes Diebel, Leiter Forschung des Forschungskuratoriums Textil e.V., das Mitglied der AiF ist. Gemeinsam mit der Geschäftsführerin AiF Forschungspolitik Andrea Weißig und dem Unternehmer Ulrich Tirian von der AmbaGate GmbH tauschte er sich mit dem Mitglied des Bundestages (MdB) Dr. Marcus Faber (FDP) zu Möglichkeiten der Forschungsförderung in mittelständischen Unternehmen aus. Der Wahlkreis von Dr. Faber liegt in der Altmark in Sachsen-Anhalt. Der Bundestagsabgeordnete ist darüber hinaus Mitglied des Verteidigungsausschusses, stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen und im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft des Deutschen Bundestages sowie Mitglied im FDP-Bundesvorstand.

Schutzbekleidung für Industrie, Polizei und Streitkräfte aus Sachsen-Anhalt

Das Unternehmen AmbaGate GmbH hat seit 2002 seinen Sitz in Gardelegen und stellt Schutzbekleidung für Industrie, Polizei und Bundeswehr her. Auch zahlreiche Streitkräfte im Ausland erhielten durch die Kooperation mit einem Unternehmen in Nordrhein-Westfalen spezielle adsorptive Schutzsysteme aus Sachsen-Anhalt. Die AmbaGate GmbH ist spezialisiert auf die Verarbeitung technischer, besonders auch adsorptiver Verbundtextilien für die Herstellung persönlicher Schutzausrüstungen (PSA) im zivilen und militärischen Bereich.

Mit ihren Kooperationspartnern entwickelt die AmbaGate GmbH ihre Produkte weiter. „Insbesondere immer neue Auflagen bezüglich der Inhaltsstoffe und selbstverständlich die weitere Funktionsverbesserung, einschließlich des Tragekomforts, fordern von uns regelmäßige Forschung und Entwicklung. Wir sind ein kleines mittelständisches Unternehmen und haben deshalb nicht die Mittel für eigene Forschungsmitarbeiter oder gar eine entsprechende -abteilung. So arbeiten wir seit Jahren sehr erfolgreich mit Forschungseinrichtungen in unserer Branche zusammen“, erklärte der Unternehmer. Im Rahmen der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie können kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) in Deutschland ihre vorwettbewerblichen Forschungsprojekte verwirklichen.

IGF-Mittel haben nachhaltige Wirkung für den Mittelstand

Faber zeigte sich sehr interessiert an dem Engagement des Unternehmens in seinem Wahlkreis. „Textilforschung kann auf diesem Gebiet buchstäblich lebensrettend sein“, würdigte das Mitglied des Bundestages und des Verteidigungsausschusses die Arbeit von Tirian und seinen Mitarbeitern und der durch Diebel vertretenen Forschungsvereinigung. „Die gemeinsame vorwettbewerbliche Forschung im direktem Zusammenspiel mit mittelständischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Deutschland bringt beeindruckende Ergebnisse hervor. Dass die Projektförderung seit Jahrzehnten nachhaltige Wirkung im forschenden Mittelstand zeigt, wird hier anfassbar“, ergänzte Dr. Faber, der mit Begeisterung eine Schutzjacke der Bundestagspolizei anprobierte.

Die Geschäftsführerin AiF Forschungspolitik beschrieb die Arbeit der AiF und den Einsatz der Forschungsvereinigungen für die deutschen KMU: „In den 100 Forschungsvereinigungen, die Mitglieder der AiF sind, wird zugunsten aller Branchen und Technologiefelder gearbeitet.  Dadurch entstehen Ergebnisse, mit denen die Unternehmen ihre Produkte optimieren und somit ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken können.“ In diesen Zusammenhang erinnerte auch Diebel an die breitgefächerte Anwendung von technischen Textilien als Alternative zu materialintensiven Komponenten in der Industrie und erklärte: „Der deutsche Mittelstand arbeitet mit Hilfe der Industriellen Gemeinschaftsforschung intensiv an einer Verbesserung der ökologischen Nachhaltigkeit seiner Produkte.“

Die IGF sei, laut Weißig, eine wertvolle Quelle für Produktinnovationen im deutschen Mittelstand, der die hiesige Wirtschaftsstruktur maßgeblich präge. Derzeit stünden im Jahr 169 Millionen Euro Fördermittel für IGF-Vorhaben zur Verfügung. Damit könnten jährlich mehr als 500 Vorhaben neu bewilligt und insgesamt über 1.700 laufende Vorhaben gefördert werden. Doch zahlreiche Forschungsvorhaben, die von unabhängigen Gutachtern als förderungswürdig bewertet worden seien, warteten noch auf Bewilligung. (frd)

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