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Sportkleidung ohne Handicap: Optimale Passform für Rollstuhl-Athleten

Rollstuhl-Basketball stellt besondere Ansprüche an die Bekleidung

Mehr als 600.000 Menschen in Deutschland leben im Rollstuhl. Ein Großteil davon treibt aktiv Sport. Unter den Rollstuhl-Sportarten ist Rollstuhl-Basketball besonders beliebt: Die deutsche Damenmannschaft holte in diesem Jahr schon zum zehnten Mal den Titel des Europameisters in dieser Sportart. Weniger erfolgreich verläuft die Suche nach geeigneter Sportkleidung für die Rollstuhl-Athleten. Obschon die sitzende Position besondere Anforderungen an die Kleidung mit sich bringt, gibt es bislang keine speziell an die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern angepasste Sportkleidung.

Das wird sich nun ändern: In einem Forschungsvorhaben, das im Rahmen der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) von der AiF-Forschungsvereinigung Forschungskuratorium Textil e.V. organisiert wurde, haben Wissenschaftler der Hohenstein Institute die Anforderungen an funktionale Sportkleidung für Rollstuhl-Athleten und deren Umsetzung in geeignete Konstruktionsprinzipien genau untersucht. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage für eine erste Testkollektion, die großen Anklang unter den Rollstuhl-Sportlern fand. Die vorwettbewerbliche IGF ermöglicht insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen. Sie wird zusammen mit 100 branchenorientierten Forschungsvereinigungen im Innovationsnetzwerk der AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen organisiert. Projekte der IGF werden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit öffentlichen Mitteln gefördert.

Optimierte Sportkleidung für Rollstuhlfahrer

Wenn Rollstuhl-Sportler auf konventionelle Sportkleidung zurückgreifen müssen, bleiben viele Bedürfnisse auf der Strecke: Hosen sind am Rücken im Taillenbereich meist zu kurz, am Bauch hingegen zu lang. Konventionelle Shirts und Jacken sind meist zu eng, da bei den meisten Rollstuhl-Athleten Oberkörper und Arme sehr muskulös sind. Eine optimale Sportkleidung für Rollstuhl-Sportler muss daher so geschnitten sein, dass sie ein hohes Maß an Bewegungsfreiheit zulässt. Um funktionelle Konstruktionen einer speziellen Sportkleidung für diese Zielgruppe zu ermöglichen, haben die Forscher Rollstuhlfahrer in einem stationären 3D-Bodyscanner und mit einem portablen Handscanner erfasst und digital vermessen. Mit den Ergebnissen stehen der Industrie erstmals Informationen zur Verfügung, auf deren Basis eine optimierte Bekleidung für Rollstuhl-Sportler hergestellt werden kann.

Gelungene Testkollektion

Eine erste Testkollektion, die für das Team I der Elxleber Rollstuhl-Basketballer RSB Thuringia Bulls entwickelt wurde, trägt den speziellen Bedürfnissen der Rollstuhl-Sportler Rechnung und wurde sehr positiv aufgenommen: „Die Spieler sind begeistert, es ist die beste Spielkleidung, die sie bis jetzt getragen haben.“, sagt Alex Halouski, Spieler der RSB Thuringia Bulls und der deutschen Nationalmannschaft der Rollstuhl-Basketballer.

Die Projektergebnisse schaffen einen Wettbewerbsvorteil für die Betriebe der heimischen Textil- und Bekleidungsindustrie. Sie ermöglichen den Herstellern von Bekleidung für Rollstuhlfahrer ihr Angebot zu optimieren und zu erweitern. Auch die ungefähr 50 KMU aus dem Bereich Sportartikel und Outdoor können die Ergebnisse nutzen, um sich den Markt der Rollstuhl-Sportler zu erschließen.

Ansprechpartner zum Projekt

Forschungskuratorium Textil e.V. – FKT, Reinhardtstraße 14-16, 10117 Berlin;
Christa Ehrlich, cehrlich@textilforschung.de, Telefon: +49 30 726220-43

Hohenstein Institut für Textilinnovation gGmbH (HIT), Schlosssteige 1, 74357 Bönnigheim;
Anke Klepser, a.klepser@hohenstein.de ,Telefon: +49 7143 271-325

Über die AiF

Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. ist ein 1954 gegründetes, industriegetragenes Innovationsnetzwerk zur Förderung von Forschung und Entwicklung im Mittelstand. Es verknüpft die Interessen von Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Aufgabe ist es, als Dachverband von 100 branchenspezifischen Forschungsvereinigungen die Volkswirtschaft Deutschlands in ihrer Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Die AiF als gemeinnütziger Verein ist Träger der Industriellen Gemeinschaftsforschung und betreut über die AiF Projekt GmbH und die AiF F∙T∙K GmbH, ihre einhundertprozentigen Tochtergesellschaften, weitere Förderprogramme der öffentlichen Hand. Im Jahr 2014 setzte die AiF über 500 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln ein.

Pressekontakt

AiF e.V., Evelyn Bargs-Stahl, presse@aif.de, Telefon: +49 221 37680-114

Foto: © Armin Diekmann