AIF IM GESPRÄCH: Prof. Dr.-Ing. Günter Schell, neuer PFI-Geschäftsführer

Prof. Dr.-Ing. Günter Schell
23.4.2026 – Herr Professor Schell, Sie haben Anfang dieses Jahres die Leitung des Prüf- und Forschungsinstitutes Pirmasens e.V. (PFI), in seinem 70. Jubiläumsjahr, übernommen. Damit fließen viel Tradition und Erfahrung in Ihren Arbeitsbereich ein, aber vor allem Zukunftsorientierung. Welche Herausforderungen erwarten Sie für Ihr Haus und auch für sich persönlich in den kommenden Jahren?
Prof. Dr.-Ing. Günter Schell: Das PFI blickt auf eine etwa 70‑jährige Geschichte zurück, in der es sich stets als verlässlicher Partner der Industrie – insbesondere der mittelständisch geprägten Unternehmen – etabliert hat. Diese Tradition ist für mich Verpflichtung und Motivation zugleich.
Eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre sehe ich darin, bewährte Kompetenzen des PFI konsequent weiterzuentwickeln und gleichzeitig neue Themenfelder aktiv zu erschließen. Dazu zählen
insbesondere Fragen der Nachhaltigkeit, der Kreislaufwirtschaft, der Material-und Prozessinnovation sowie der zunehmenden Digitalisierung entlang der Wertschöpfungsketten.
Für das Institut bedeutet dies, Forschung, Prüfung und Entwicklung noch enger miteinander zu verzahnen und den Transfer von Forschungsergebnissen in die industrielle Praxis weiter zu stärken. Persönlich ist es mir ein wichtiges Anliegen, gemeinsam mit dem Team des PFI tragfähige Strukturen für die Zukunft zu schaffen, junge Talente zu fördern und das Institut als sichtbaren und verlässlichen Innovationspartner national wie international noch stärker zu positionieren.
Gibt es derzeit konkrete (IGF-)Forschungsvorhaben, die die Arbeit und besondere Kompetenz des PFI beispielhaft widerspiegeln? Bitte reißen Sie auch deren Bedeutung für die deutsche Wirtschaft, den deutschen Mittelstand an.
Prof. Dr.-Ing. Günter Schell: Die in der Vergangenheit durchgeführten IGF‑Forschungsvorhaben verdeutlichen sehr gut die thematische Breite und besondere Kompetenz des Prüf- und Forschungsinstitutes Pirmasens. Sie reichen von werkstoff‑ und prozessbezogenen Fragestellungen über simulationsgestützte Produktentwicklung bis hin zu Themen der Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft sowie Energie‑ und Ressourceneffizienz.
Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der ganzheitlichen Betrachtung von Produkten und Systemen – etwa bei der Entwicklung modularer und recyclinggerechter Schuhkonzepte, der Verbesserung von Hygiene‑, Komfort‑ und Schutzfunktionen bei Arbeits‑ und Sicherheitsschuhen oder der nutzerorientierten Produktgestaltung unter Berücksichtigung biomechanischer, ergonomischer und demografischer Anforderungen. Ergänzend dazu spiegeln Projekte aus den Bereichen Energie- und Biotechnologie sowie nachhaltige Rohstoffnutzung die interdisziplinäre Ausrichtung des Instituts wider.
Für die deutsche Wirtschaft, insbesondere für den Mittelstand, haben solche vorwettbewerblichen Forschungsvorhaben eine hohe Relevanz. Sie ermöglichen es Unternehmen, neue Technologien, Materialien und Methoden frühzeitig kennenzulernen, Innovationsrisiken zu reduzieren und zugleich regulatorische wie gesellschaftliche Anforderungen im Bereich Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz aktiv aufzugreifen. Das PFI versteht sich dabei als Brücke zwischen wissenschaftlicher Erkenntnis und industrieller Anwendung.
Das PFI ist seit fast sieben Jahrzehnten Mitglied der AIF. Worin sehen Sie die Notwendigkeiten und Vorteile einer solchen Dachorganisation für Forschungsvereinigungen und -institute wie dem PFI und den von Ihrem Hause begleiteten forschenden Unternehmen?
Prof. Dr.-Ing. Günter Schell: Die langjährige Mitgliedschaft des PFI in der AIF unterstreicht die große Bedeutung dieser Dachorganisation für die Industrieforschung in Deutschland. Die AIF vernetzt Forschungsvereinigungen, Institute und Unternehmen über Branchen‑ und Technologiegrenzen hinweg und schafft damit einen einzigartigen Rahmen für vorwettbewerbliche und mittelstandsnahe Forschung.
Für Institute wie das PFI bietet die AIF nicht nur eine starke Stimme gegenüber Politik und Fördergebern, sondern auch wertvolle Impulse für Kooperationen, Wissenstransfer und strategische Weiterentwicklung. Gleichzeitig profitieren die von uns begleiteten Unternehmen von transparenten Förderstrukturen, praxisnahen Projekten und einer klaren Ausrichtung auf konkrete betriebliche und technologische Bedarfe.
Gerade in einer Zeit tiefgreifender technologischer, regulatorischer und wirtschaftlicher Veränderungen ist diese Bündelung von Kompetenzen und Interessen aus meiner Sicht unverzichtbar, um Innovationskraft, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wachstum des Mittelstands langfristig zu sichern.
Foto: © PFI



