EFI-Gutachten 2026 an Bundeskanzler übergeben

Guido Bünstorf, Joachim Henkel, Dorothee Bär, Irene Bertschek, Friedrich Merz, Carolin Häussler, Christoph M. Schmidt, Friederike Welter (v.l.)
17.2.2026 – Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) hat am 11. Februar 2026 ihr neues Jahresgutachten an die Bundesregierung übergeben. Die EFI würdigt darin die Hightech Agenda Deutschland (HTAD), mit der die Bundesregierung frühzeitig nach Amtsantritt ein wichtiges Signal gesetzt hat. „Vor einigen Jahren von der Bundesregierung eingesetzt, erklärt diese hervorragend besetzte Kommission, wo Deutschland als Forschungs- und Innovationsstandort steht und wo Handlungsbedarf vorliegt. Die Jahresgutachten haben einen besonderen Stellenwert und in diesem Jahr ist das Interesse riesengroß“, beschreibt der AIF-Geschäftsführer Dr. Matthias Heider die Expertenkommission.
Die EFI-Vorsitzende, Prof. Irene Bertschek vom ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, hob zudem die Entscheidung der Bundesregierung positiv hervor, einzelne Schlüsseltechnologien zu priorisieren: „Durch die Priorisierung von Schlüsseltechnologien ermöglicht die Bundesregierung eine Fokussierung
öffentlicher Fördermittel und schafft Orientierung für Akteure aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Konsequent umgesetzt, würde auf diese Weise eine Abkehr von der Förderung nach dem Gießkannenprinzip eingeleitet.“ Schlüsseltechnologien hätten aufgrund ihres hohen Innovationspotenzials eine große Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und für die Souveränität Deutschlands. Zu den in der Hightech Agenda Deutschland priorisierten Schlüsseltechnologien zählen Künstliche Intelligenz (KI), Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie sowie Technologien für klimaneutrale Energieerzeugung und Mobilität.
Schlüsseltechnologien: Stärken in der Forschung, Schwächen in der Anwendung
„Die Wirtschaft erwartet Veränderungen, mutige Schritte in Richtung Fortschritt. Das neu vorgelegte Gutachten an Bundeskanzler Merz zeigt, dass wir über starke Forschungskompetenzen verfügen, aber zum Beispiel bei Künstlicher Intelligenz und Mikroelektronik gibt es noch Luft nach oben“, so Heider weiter.
Um die Leistungsfähigkeit des deutschen F&I-Systems in diesen Schlüsseltechnologien einzuordnen, hat die EFI sowohl die Leistungsfähigkeit in der Forschung anhand wissenschaftlicher Publikationen als auch die Fähigkeit zur Entwicklung von Technologien anhand transnationaler Patentanmeldungen erfasst und international verglichen. Bei KI und Mikroelektronik ist Deutschland relativ schwach positioniert.
Eine starke Position bei den Patentierungsaktivitäten nehme Deutschland, laut EFI, dagegen in den „Schlüsseltechnologien klimaneutrale Mobilität und klimaneutrale Energieerzeugung“ ein. Im Bereich der „klimaneutralen Mobilität“ erreicht Deutschland hinter China Platz zwei und im Bereich der „klimaneutralen Energieerzeugung“ hinter China und den USA Platz drei. Allerdings erreiche Deutschland in beiden Technologiebereichen bei Weitem nicht die Entwicklungsdynamik Chinas.
Auch in den Bereichen Mikroelektronik und Biotechnologie weisen die Patentanmeldungen eine geringe Entwicklungsdynamik auf. Deutschland fällt damit in diesen Schlüsseltechnologien gegenüber den meisten Vergleichsländern zurück. „Wir sehen unsere früheren Analysen bestätigt: Die Herausforderungen für Deutschland liegen weniger in der Forschung als vielmehr in der Entwicklung und Anwendung von Schlüsseltechnologien“, betont Bertschek.
Monitoring von Schlüsseltechnologien sollte Anwendungsseite einbeziehen
Die Umsetzung der Hightech Agenda Deutschland wird von einem sogenannten 360-Grad-Hightech-Monitorings begleitet. Dadurch sollen auch die Entwicklungen bei den priorisierten Schlüsseltechnologien transparent gemacht und evidenzbasierte Anpassungen der Förderpolitik ermöglicht werden.
„Beim Monitoring ist es besonders herausfordernd, die Anwendungsseite der Schlüsseltechnologien zu erfassen. Die gängigen Indikatoren geben keine Auskunft darüber, wo und von wem Schlüsseltechnologien eingesetzt werden“, gibt Bertschek zu bedenken. „Die EFI empfiehlt die Anwendungsseite, also die Diffusion der Schlüsseltechnologien, mittels webbasierter semantischer Verfahren systematisch zu untersuchen.“
Für zwei Schlüsseltechnologien der HTAD hat die EFI eine solche Analyse in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse zeigen, dass deutsche Organisationen in geringerem Umfang als französische, britische oder US-amerikanische Organisationen KI anwenden, allerdings bei Aktivitäten im Bereich der alternativen Antriebe und klimaneutralen Kraftstoffe an der Spitze stehen.
Hightech Agenda als Kommunikationsinstrument nutzen
„Die Hightech Agenda Deutschland wird ihr großes Potenzial nur dann entfalten können, wenn von ihr kräftige Impulse für massive private Investitionen in Forschung und Innovation ausgehen, vor allem in Schlüsseltechnologien“, betont Bertschek. Der Erfolg der Hightech Agenda hängt also nicht allein vom Handeln der Bundesregierung ab. Mitentscheidend ist das Engagement der Unternehmen und Forschungsorganisationen. Diese gilt es zu mobilisieren. „Die Hightech-Agenda ist nicht nur eine Strategie, sondern auch ein Kommunikationsinstrument, das aktiv genutzt werden muss, um die gesetzten Ziele zu erreichen“, konstatiert Bertschek. Voraussetzung dafür ist eine klare und glaubwürdige Kommunikation der HTAD. Glaubwürdigkeit erfordere, dass neben Erfolgen auch Verzögerungen offen benannt werden.
Um die Akteure des Forschungs- und Innovationssystems – allen voran die Unternehmen – davon zu überzeugen, dass die HTAD keine unverbindliche politische Absichtserklärung ist, sollte die Bundesregierung die aufgeführten Fördermaßnahmen mit konkreten Angaben zu den Fördermitteln hinterlegen. Durch eine Quantifizierung der Investitionen in einzelne Technologien und Maßnahmen würden die Prioritäten der Bundesregierung noch deutlicher gemacht, was die Verbindlichkeit der Agenda stärken und zur dringend benötigten Mobilisierung der Akteure im Forschungs- und Innovationssystem beitragen könnte.
„Der Bundeskanzler hat im Rahmen dieser Übergabe ebenfalls noch einmal betont, dass Forschung und Innovation höchste Priorität in der Arbeit der Bundesregierung besäßen. Das muss die Arbeit der Bundesregierung in der Ausrichtung ihrer Programme jetzt deutlich zeigen“, betont Heider abschließend.
EFI-Jahresgutachten 2026
https://www.e-fi.de/fileadmin/Assets/Gutachten/2026/EFI_Gutachten_2026_27126.pdf
EFI-Jahresgutachten 2026 Kurzfassung
https://www.e-fi.de/fileadmin/Assets/Gutachten/2026/EFI_Kurzfassung_2026_27.pdf
Foto: © EFI, Linda Köhler-Sandring



