„Berliner Erklärung“ der AIF fordert starkes Bekenntnis zur industrienahen Forschung

Kategorien: PressemitteilungenPublished On: 17. September 2026
Quadriga auf dem Brandenburger Tor, blauer Himmel im Hintergrund, © AIF

Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin

Köln/Berlin, 17. September 2026 – „Die Forschungsinfrastruktur in Mittelstand und Industrie wird weiter geschwächt. Der Zugang von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu branchengestützten Forschungskapazitäten wird immer kleiner. Die über Jahrzehnte aufgebauten Netzwerke drohen mehr und mehr auseinanderzubrechen, weil der Bund nur ein halbherziges Bekenntnis zur Förderung der industriegetragenen Forschung im Mittelstand abgibt. So lässt sich ein zukunftsweisender Beitrag für ein nachhaltiges Wachstum in Deutschland nicht generieren“, betont Dr. Matthias Heider, Geschäftsführer der AIF – Allianz für Industrie und Forschung, und zitiert die „Berliner Erklärung“ der über 50 AIF-Forschungsvereinigungen vom 17. September 2026.

„Nie da gewesener Rücksetzer“ droht: Bürokratie und Personalaufwand steigen, Fördermittel sinken

In einer vom flexiblen und agilen Mittelstand geprägten Wirtschaft ist die branchenübergreifende, technologieoffene und vorwettbewerbliche

Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) das Werkzeug, um die Innovationskraft von Unternehmen aus Deutschland effektiv voranzubringen und zu stärken. Dieses weltweit einmalige und in Krisensituationen bewährte Forschungsförderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zugunsten des Mittelstandes, von KMU, Startups und Industrieunternehmen wird von den Forschungsvereinigungen praxisnah umgesetzt.

„Nach über 70 Jahren IGF droht jetzt ein nie da gewesener Rücksetzer in der Arbeit der Forschungsvereinigungen. Die Fördermittel werden immer geringer, der personelle Aufwand steigt, ein Inflationsausgleich findet nicht statt, Antragsverfahren werden immer bürokratischer und sind wenig digitalisiert“, heißt es in der „Berliner Erklärung“ der AIF.

Die AIF – Allianz für Industrie und Forschung e.V. fordert deshalb die Politik auf,

  • die Rolle der Forschungsvereinigungen als Leistungsträger zwischen industriellem Bedarf und Forschung zu stärken.
  • das Wirkprinzip der IGF zu gewährleisten: Die IGF muss vorwettbewerblich, themenoffen und unternehmensübergreifend bleiben. Forschungsfragen sollen aus den realen Bedarfen der Branchen und Wertschöpfungsketten entstehen.
  • den niederschwelligen Zugang von KMU zur IGF durch eine praxisgerechte KMU-Definition zu sichern.
  • die Transformation von Forschungsergebnissen in die betriebliche Anwendung als Wachstumstreiber in den Fokus zu nehmen.
  • die Fördermittel der IGF für 2027 mindestens auf dem Niveau von 2026 beizubehalten und perspektivisch auf 300 Millionen Euro zu steigern.

„Gleiches gilt für das Schwesterprogramm, dem Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Der Antragsstopp muss schnellstmöglich aufgehoben werden“, fordert Heider wiederholt und erinnert daran, dass die Verzahnung von IGF und ZIM hohe Synergieeffekte erbringen könnte.

Kein Ende für „Made in Germany“

„Zehntausende Unternehmen forschen unter dem Dach unserer Forschungsvereinigungen, die man als ‚das Betriebssystem‘ der IGF beschreiben kann“, so Heider weiter und nennt einige Beispiele: In der Forschungsvereinigung Stahlanwendung e.V. (FOSTA) entwickeln Forschungsteams aus Universitäten und Unternehmen hybride Konstruktionen mit Stahl und beispielsweise Kunststoffen oder optimieren Techniken zur Stahlverarbeitung. Im Forschungskuratorium Textil e.V. (FKT) entstehen sichere Schutzkleidung für Polizei und Feuerwehr, spezielle Netze zur Dachbegrünung oder auch optimierte Textilbetonkonstruktionen. Im Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V. (FEI) wird nicht nur an Fermentationsverfahren zur Verwertung von Brotresten im Sauerteig oder an Fleisch- oder Palmölalternativen geforscht. „Die Liste von Innovationen hatte die Marke ‚Made in Germany‘ einmal groß gemacht und sollte auch künftig kein Ende nehmen“, erklärt der AIF-Geschäftsführer.

Branchenzahlen machen Bedarf und Wirkung sichtbar

Die Branchen reichen von Automobilbau bis Zementproduktion. Dabei leisten die Gewerbe und Industrien der Forschungsvereinigungen einen bedeutenden Beitrag zur Wertschöpfung: beispielweise die kunststoffverarbeitende Industrie mit fast 70 Milliarden Euro, die stahl- und metallverarbeitende Industrie mit rund 130 Milliarden Euro, die Nichteisenmetallindustrie mit 68 Milliarden Euro oder die Füge-, Trenn- und Beschichtungsindustrie mit zirka 30 Milliarden Euro. Allein diese Industrien beschäftigen zusammen rund 1,5 Millionen Erwerbstätige.

AIF-Forschungsvereinigungen – Katalysatoren für Innovationen

„Die ‚Berliner Erklärung‘ der AIF betont den unverzichtbaren Beitrag unserer Forschungsvereinigungen als Katalysatoren für Innovationen, die die Industrie wettbewerbsfähig machen und Deutschland als Innovationsstandort stärken. Sie bündeln Expertise aus Wissenschaft und Praxis und realisieren den breiten Transfer der Forschungsergebnisse in den gesamten Mittelstand. Um auch künftig die Erfolge der Industriellen Gemeinschaftsforschung zu sichern, muss die Politik dringend investieren – und zwar jetzt, für einen schnellen wirtschaftlichen Aufschwung“, appelliert der AIF-Geschäftsführer Dr. Matthias Heider mit Blick auf den Bundeshaushalt 2027.

Pressekontakt

AIF e.V., Frauke Frodl, presse@aif.de, T.: +49 30 64475 215, M.: +49 151 19621 541

Download: Berliner Erklärung der AIF – Allianz für Industrie und Forschung e.V.
Download: Portraitfoto AIF-Geschäftsführer Dr. Matthias Heider (© AIF)
Download: Foto Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin (© AIF)

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